Re-Design der blauen Karte im Dialog mit Claudine Villemot-Kienzle

Gemeinsam zu neuen Ufern

Vor zwei Wochen fand der Online-Workshop mit Claudine Villemot-Kienzle (Co-Founder und Social Architect des Center for Human Emergence), Kim Schneider und meiner Wenigkeit zum Re-Design des ersten Decks der integralen Karten statt. Während die Designs von Kim Schneider, die wir in den letzten Wochen schon im Rahmen der “Making-of”-Serie vorgestellt haben, eine rein künstlerische Interpretation der einzelnen W-Mems darstellen, soll das von mir entwickelte Kartenset auch als Coaching-Material in der intergralen Arbeit dienen.

Nachdem ich hier den originären Entwurf von Claudine in einem von mir alleine verantworteten Akt der Piraterie in eine erste neue Form gebracht hatte, erklärte sich Claudine dankenswerterweise bereit, mich beim Feinschliff der Texte und der Visualisierung mit ihrer beeindruckenden Fachkompetenz und ihrem tiefen Verständnis der integralen Theorie anzuleiten. In einer sehr inspirierenden und durchaus fordernden Session erarbeiteten wir gemeinsam neue Überschriften und Untertitel für die Karten und besprachen jedes einzelne Design.

Während die meisten Karten in der initialen optischen Form verbleiben konnten, stellten wir bei der blauen Karte fest, dass diese den Kern-Code von Blau nur ausschnittsweise traf. Das sehr religiöse Motiv lag mir zwar persönlich (ehemaliger Ministrant und langjähriger Kirchgänger), engte die zentrale Aussage von Blau aber zu sehr ein. Um hier eine Optik zu kreieren, mit der sich nicht nur katholische Christen identifizieren können, entschieden wir gemeinsam, die Karte noch mal komplett neu aufzulegen.
Als zentrales Motiv für Hingabe und Aufopferung entschieden wir uns für den Patriotismus und die bedingungslose Liebe zum Vaterland, welches gleichzeitig auch die zentrale Autorität verkörpert.

Die einzelnen Evolutionsstufen der Karte sehen Sie hier:

Der erste Entwurf war geprägt von einer christlich-katholischen Bildsprache, komplett mit Kreuz, Kirche, Kardinal und Rosenkranz. Die Unterwerfung vor der übergeordneten Autorität wurde durch die knienden Gläubigen ausgedrückt, die Abstufung in der gesellschaftlichen Hierarchie (jeder auf seinen Platz) durch den stufigen Aufbau mit dem Kreuz als Symbol der jenseitigen Zielerreichung im Zentrum.

Das berühmte Bild “Raising the Flag on Iwo Jima” zeigt sechs amerikanische Soldaten, die die amerikanische Flagge auf einem Berg während der Schlacht um Iwojima hissen. Alle sechs Soldaten, von denen drei noch während der Kämpfe auf der Insel umkamen, gelten in den USA als Kriegshelden.
Das Bild nimmt einen wichtigen Platz im kollektiven Gedächtnis der Vereinigten Staaten von Amerika ein, da es den Patriotismus und die Opferbereitschaft der Soldaten für ein höheres Gut, das Vaterland symbolisiert durch die Flagge in seiner plakativsten Form darstellt.
Aus diesem Grund war es meine erste Wahl, um den Kern-Code von Blau einzufangen und zu visualisieren.

Obwohl das Motiv der fürs Vaterland kämpfenden Soldaten eine hohe Dynamik und Wiedererkennungswert mitbringt, überzeugte mich Claudines Vorschlag sofort, das Sinnbild der paradierenden Truppen als Symbol für Blau zu wählen. Eine konforme Gruppe, alle im Gleichschritt, gleich angezogen, ist stimmiger, um die Energie von Blau besser rüber zu bringen. Mit dieser Darstellung wird die Energie von Blau zwar immer noch in einer durchaus kriegerisch gefärbten, aber dennoch positiver kanalisierten Form ausgedrückt.
Der Orden als stilisiertes Symbol der Rangordnung, zusammen mit den Soldaten auf Wache rechts und links des Mottos von Blau gibt jetzt mit der Truppenparade ein stimmiges Ganzes.

Mein Fazit dieses (Teil-) Prozesses

(Hier möchte ich noch mal festhalten, welche zwei zentralen Erkenntnisse ich in den letzten Wochen in der Zusammenarbeit mit Claudine hatte:)

  1. Du kannst dich beliebig lange mit Spiral-Dynamics beschäftigen und entdeckst immer wieder etwas Neues; darüber hinaus solltest du es nicht alleine tun, sondern optimalerweise in einem co-creativen Prozess.
  2. Solange du dich noch mit deinem Meme-Schwerpunkt im First-Tier befindest (jedenfalls geht es mir so), übersiehst du gerne mal die positiven Kraft der einzelnen Mems.
    Die Ablehnung der negativen Aspekte vernebelt dir schlicht den Blick auf das Ganze.
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