Ein mühsamer Weg: In Rekordzeit von einer unreifen Idee zu einem druckreifen Poster

Einleitung des conceptMarketeers:

Meine Arbeit mit meinen Klienten hat auf der einen Seite einen sehr technischen Charakter (Webseiten bauen, Online-Kampagnen erstellen, Produkte konzipieren etc.), auf der anderen Seite aber auch einen sehr menschlich-prozessualen. Der Stil meiner Arbeit ist durch meine persönliche Biografie und meine Erfahrungen im Coaching durchsetzt von Interaktionen, die über die reine Beratungsleistung deutlich hinausgehen und beim Klienten bewusste und unbewusste Veränderungsprozesse auslösen. Um diese Erfahrung auch für Andere erlebbar zu machen, bitte ich meine Kunden immer wieder, mir diese erlebten Prozesse in Form von Erfahrungsberichten zu schicken, die ich dann in meinem Blog veröffentliche.

Einführung des Kunden:

Mein Name ist Kim Schneider. Ich bin Mediendesignerin und Illustratorin mit einem Abschluss als Bachelor of Arts.
Hauptberuflich produziere ich 3D-Zubehör (Modelle und Texturen) für die Programme Poser aus dem Hause Smith Micro und DAZ Studio aus dem Hause DAZ 3D.

Ich habe aus meiner Leidenschaft und meinem langjährigen Hobby einen Beruf (und eine Berufung) gemacht und habe als klassische Illustratorin vor Jahren erste Erfahrungen gesammelt – damals noch für diverse Rollenspielverlage. Später gesellte sich zu den beiden Dimensionen des Papiers eine dritte hinzu und ich schaffte den Sprung in die digitalen Medien. Aus den skizzierten und gezeichneten Kleidungsstücken, Frisuren und Kreaturen wurden dreidimensionale Gebilde, die mir zuerst als Zubehör für meine eigenen Renderprojekte dienten. Ich begann meine 3D-Karriere als Texturiererin und traute mich irgendwann an Hexagon, meine bis heute genutzte Modelliersoftware. Ab da ging der Weg kontinuierlich weiter, bis ich meine Produkte bei Online-Marktplätzen wie Runtime DNA, DAZ 3D und Renderosity verkaufte.

Die ganze Zeit jedoch blieb mir mein traditioneller Hintergrund in Illustration erhalten. Fast alle meiner Produkte beginnen ihr Dasein als mehr oder weniger sorgfältig ausformulierte Skizzen auf Papier. Meine Inspirationen beziehe ich aus Filmen, Musik und Büchern verschiedenster Genres. Dabei bemühe ich mich stets, mich inspirieren zu lassen und nicht vorgegebene Inhalte zu kopieren.
Heute bin ich im Bereich 3D bei meinen Texturen und Modellen daheim. Als Nebenprodukte fallen regelmäßig 3D-Render ab, die ich als Promo-Material benutze, aber die auch als Bildmotive für sich selbst stehen können. Meine Sammlung an gerenderten Arbeiten wuchs über die Jahre kontinuierlich. Und so begann auch der Weg des Posters »Black Guard«.

Über das Projekt:

In meinem Hinterkopf gärte schon sehr lange Zeit die Idee, aus meinem wachsenden Katalog an Rendern ein kleines Fotobuch und/oder einen Kalender zu erstellen. Bisherige Anläufe in diese Richtung verliefen sich jedoch aus diversen Gründen im Sande (zu wenig Zeit, zu geringe Auflösung der Render, kein passender Projektrahmen, etc). Zu keinem Zeitpunkt hätte ich bei einer möglichen Umsetzung daran gedacht, ein kommerzielles Projekt aufzuziehen. Ich wollte etwas ganz für mich alleine oder für enge Freunde schaffen. Etwas, das sich beispielsweise als persönliches Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk eignete. Darüber hinaus – so dachte ich – wäre die Nachfrage nach solchen Produkten entweder sehr gering oder nicht vorhanden. Also lohnte sich eine größere Planung sowieso nicht.

Der auslösende Moment

Als ich die Idee eines Fotobuchs Robert gegenüber erwähnte, hatte ich sofort das Gefühl, dass er am anderen Ende unserer Skypeunterhaltung die Ohren spitzte. Und dann kam die Frage, die alles lostrat: »Warum machst du denn keinen Fotokalender? Einen zum verkaufen?«

Und da saß ich dann. Die oben stehenden Argumente waren schnell heruntergerasselt und waren noch schneller widerlegt. »Das mit der Auflösung ist eine technische Angelegenheit und lässt sich ändern.« Und so ging es weiter und ich fühlte, wie mir Stück für Stück der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Etwas erstaunt über mich selbst stellte ich fest, dass ich überhaupt kein kommerzielles Projekt aus einem möglichen Kalender machen WOLLTE.

Denn wer würde das schon haben wollen? Innerlich hatte ich die Haltung eines störrischen Mulis entwickelt, das alle vier Hufe fest in den Boden stemmte und sich weigerte, einen Millimeter von seiner momentanen Position abzuweichen. In meiner Wahrnehmung waren meine Arbeiten bestenfalls »ganz nett« und lockten niemandem hinter dem Ofen hervor. Und noch weniger wäre irgendjemand bereit, dafür Geld auf den Tisch zu legen. Und bevor ich eine weitere Enttäuschung riskierte, kehrte ich lieber zu meinem lieben Muli zurück, das es besser wusste und aus jahrelanger Erfahrung Weisheit bezog. Man bleibt lieber beim Vertrauten als etwas zu riskieren. Nur keine Neuerungen, nur keine frischen Ideen – es endet doch sowieso wieder alles beim Alten. Vier Hufe solide auf dem Boden sind besser als einen Sprung zu wagen.

Blöderweise fand Robert für dieses Muli eine Karotte.

Die Herausforderung:

Zu diesem Zeitpunkt lag ein neueres Projekt meinerseits gerade in den Endzügen vor der Veröffentlichung im Shop bei DAZ 3D. Das war mein »Rune Outfit«, das eines meiner bisher aufwendigsten Projekte war. Ich hatte mehrere Promo-Render für dieses Produkt erstellt, und einer davon kam bei DeviantArt in meiner Galerie sehr gut an. Deswegen wurde es auch gerade dieses Motiv und diese Szene, die als vollformatiges Poster wiedererstehen sollte.
Ich war noch so im Trubel der Produktion, im Testen und Bewerben meiner neuen Kreation verfangen, dass ich auch deswegen als Muli von Roberts Frage ziemlich überrumpelt war. Mein genuscheltes, »Nicht jetzt… grade stressig…« versickerte im Boden wie Tau im Wüstensand. Irgendwie glaubte ich mir selbst nicht mehr und zweifelte immer mehr an meiner eigenen Haltung.

Warum stellte ich mich dermaßen störrisch an? Die Idee, ein Poster aus meinem Motiv zu schaffen, war an und für sich eine sehr reizvolle – eben eine Idee in Karottenform für mein inneres Muli. Irgendetwas in mir erklärte sehr begeistert, dass es doch eine tolle Idee wäre, das eigene Bild als DIN A2-Poster an der Wand hängen zu haben. Und wenn ich jetzt schon positive Kommentare für den Render bekam, gab es sicher auch Interessenten, die sich solch ein Bild an die Wand hängen und sogar Geld dafür bezahlen würden!
Und sofort kam das Gegenargument um die Ecke: Geredet ist schnell, und wenn es um Geld geht, werden aus zehn Jubelrufern ganz schnell null zahlungswillige Kandidaten. Mein standfester Unpaarhufer war wieder ganz vorne mit dabei und leistete seinen altbekannten Beitrag. Allerdings musste auch er vor einer alten Weisheit kapitulieren: »Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Das Ganze nimmt Gestalt an…

Die letzte Erkenntnis bescherte meinem inneren Zankdialog eine gewichtige Sendepause und mir selbst ein hörbares Seufzen. Ich ließ mich auf folgende Idee ein:

Aus dem Render würden erst einmal fünf Poster erstellt werden, die ich in einer Verlosung an fünf Käufer meines neuesten Produktes verschenken würde. Eine eigene handschriftliche Widmung und Nummerierung der fünf Einzelstücke wäre inklusive. Ich hatte auf einen Schlag gleich noch einmal etwas Werbung für mein Produkt, und da dieser neue Release für mich sehr wichtig war, klang mehr Werbung und mehr Aufmerksamkeit auf jeden Fall nach einer guten Idee. Und kurz zusammengefasst: überschaubare Planung und handhabbares Risiko für mich. Es wäre auch ein Probelauf für einen eventuellen späteren Kalender mit meinen Rendermotiven.

Die Frage der Produktionskosten wurde auch recht schnell beigelegt. Die Aussicht auf den Anblick des Endprodukts, das ich schon an meiner eigenen Zimmerwand hängen sah, war für mich im allerersten Moment des Umdenkens noch das stärkste Argument. Die Aussicht auf interessierte Käufer für meine Renderwerke kam erst an zweiter Stelle. Ich war noch nicht so weit, dass ich wirklich genug Vertrauen in die Qualität meiner Arbeit hatte, um mich voller Begeisterung in die Sache zu stürzen.

…und Fahrt auf!

Das war ein Antrieb, der im Laufe der folgenden Tage wuchs und gedieh. Ich war selbst erstaunt, was sich bei mir innerlich umkrempelte.
Während meiner Recherche nach geeigneten Anbietern für den Posterdruck und der Suche nach der richtigen Papierstärke und -sorte wuchs in mir ein immer lauter werdendes, »Jawoll, das mach’ ich jetzt!« Einen Dämpfer bekam der Ausruf noch beim Anblick der anstehenden Versandkosten der Poster (viele meiner “Fans” sitzen in den USA). Da es aber eine überschaubare Anzahl von Postern waren, ließ ich mich endgültig auf das Projekt ein und bestellte Verpackungsmaterialien (Projekte bilden, denn seitdem weiß ich auch, was »Schlauchfolie« ist!).
Und nachdem ich nun mit Versandrollen, Schlauchfolie, goldenem und silbernem Edding zum Signieren meiner Poster und mehr Mut ausstaffiert bin, schaue ich auch ganz anders auf mein Poster. Ich finde es schmuck und bin sicher, andere werden es ebenso wahrnehmen. Es ist die Mühe wert und es ist mehr als nur »ganz nett«!

Tja, und die Moral von der Geschicht’?

Es gibt mehrere, denn wie bereits gesagt gewinnt derjenige nie, der nichts wagt.
Und für mich ganz persönlich: Trau dich was! Tritt dein Inneres Muli!
Danke für die Karotte, Robert! (Das muss doch ein ganzes Beet gewesen sein!)

Fazit des conceptMarketeers:

Henry Ford (1863-1947) soll wohl gesagt haben: „50% meines Werbebudgets ist hinausgeworfenes Geld. Niemand kann mir allerdings sagen, welche 50% das sind.“

In den schönen neuen Zeiten des Online-Marketings ist das zwar tendenziell besser geworden, da wir mit immer ausgefeilteren Monitoring-Systemen nicht nur den Traffic und die Conversion auf unserer Webseite, sondern auch die verschiedenen Social Media Kanäle immer besser überwachen können. Dennoch ist es ab und zu notwendig, einfach den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und auf das Risiko hin, seine Zeit und sein Budget in den Sand zu setzen in einen Kanal wie Social Media (in diesem Fall facebook und DeviantART) zu investieren.

Am Beispiel Kampagne rund um den Launch der neuen Produkte kann man allerdings auch sehr schön sehen, wie man mit verhältnismäßig geringem Aufwand (hier noch mal der endgültige Post zum Poster-Gewinnspiel) einen schönen Effekt mit hoher Reichweite erzielen kann.

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