Die neuen integralen Karten – Das Making of: Part II

Willkommen in der Kathedrale!

Nach der Erstellung der ersten integralen Karten (Beige und Purpur), bei denen es viel optisches, aber wenig politisches Diskussionspotential gab, testeten Robert und ich erst mal die rote Karte an und wendeten uns dann direkt Blau zu. Neben der Darstellung von Patriotismus als übergeordnetes Ziel ist es nach wie vor vor allem die Religion, die uns auch heutzutage als in ihrer Institutionalisierung deutlichsten Ausprägung von Blau begegnet.
Da Robert und ich uns aufgrund unserer persönlichen Biografie nur im Umfeld des christlichen Glaubens halbwegs sicher bewegen können, haben wie entschieden uns wieder diesem zentralen Motiv zu zuwenden. Vielleicht findet sich irgendwann ein integral bewanderter Muslim oder Hindu, der uns die Motive für eine entsprechende Karte mit den visuellen Elementen und Symbolen einer anderen großen Weltreligion vorgibt…

In diesem Fall war der Wahl des Hintergundelements oder Hintergrundbildes sehr einfach: ich blieb bei dem vorgegebenen Namen der »Kathedrale«, weil keine Neudeutung nötig war. Da die Hauptfigur des Mönchs den gestalterischen Ton vorgab, konnte ich gleich den Kopfsprung in die klerikale Umgebung wagen (bildlich gesprochen) und aus dem Vollen schöpfen: in den Tiefen meiner Poser-Runtime fand sich ein sehr detailreich modelliertes Sakralgebäude, genau die Kathedrale, die ich benötigte. Mehr oder weniger kontrollierten Hamstereinkäufen aus der Vergangenheit sei es gedankt, dass ich über dieses architektonische Prop verfügen konnte.

Für den Kartenhintergrund wählte ich nur genau die Elemente des Szenarios, die ich benötigte. Meine Renderzeiten dankten es mir später.

Der Blaue Mönch und seine Probleme

Da jede einzelne Figur (oder Hauptmotiv) auf der Kartenfront die Merkmale des jeweiligen W-Mems repräsentiert, denke ich im Falle der ersten vier Karten an die vier Protagonisten als Avatare ihrer jeweiligen Farbe (es wird sich zeigen, ob im weiteren gestalterischen Prozess Figuren als Hauptmotive Verwendung finden werden). Und die Aufgabe dieses Avatars ist es, im Zusammenwirken mit dem jeweiligen Bildhintergrund die Bedeutung »seines« W-Mems zu transportieren. Ob und welche zusätzlichen Hintergrundelemente vorhanden sind, hängt von der Ausdrucksfähigkeit des Avatars ab.

Ich muss sagen, dass der »Blaue Mönch« mich ein wenig geärgert hat. Die Idee, ihn in seiner leicht mahnenden oder tadelnden Pose darzustellen, erschien mir im ersten Anlauf als der gelungene Wurf. Leider stellte sich in der weiteren Umsetzung heraus, dass er als alleiniges Motiv samt Bildhintergrund an gestalterischer Magersucht litt. Ich wollte ihn mit aller Kraft am Herauskippen aus seinem Kartenrahmen hindern; denn so wirkte er, weil er so alleine und verlassen dastand. Mir war auch nicht ganz klar, auf wen oder was er herabschaute.
Die Idee, ihm einige untergeordnete Figuren mitzugeben klang gut, sah aber in der Umsetzung im zweiten Anlauf weniger geglückt aus. Vielleicht lag es daran, dass die beiden Figuren weiblich waren. Etwas in mir als DesignerIN sträubte sich heftig gegen diese Art der implizierten Unterwürfigkeit und das hierarchischen Gefälle.

Also, was tun?
Im dritten Versuch wurden aus den beiden Damen Ordensbrüder, die sich hinter dem Avatar aufhielten. Der Blick der Hauptfigur war frei nach vorne, und es gab keine Barriere mehr zwischen ihm und dem Betrachter der Karte.

Die Rückseite der Karten

Wie schon die Komponenten des Kartenrahmens, so werden auch die ikonographischen Diagramme auf den Kartenrückseiten als 3D-Elemente in Hexagon modelliert. Auf diese Weise bleibe ich dem Thema 3D in der Gestaltung treu und benutze Hexagon als flexible dreidimensionale Leinwand für meine benötigten Elemente.
Quadrate und Linien (in diesem Falle die beiden Hauptelemente) wurden von der Pieke auf gebaut und lagen nicht als vorgefertigte Stücke vor.

An diesen drei verschiedenen Ausführungen des Kartenmotivs wird deutlich, dass die Gestaltung nicht immer von anfang an klar und geradlinig ist. Oft geht es durch Kurven und Schleifen, bis das Endergebnis mich vom Bildschirm anschaut und ich mich etwas entspannter zurücklehnen kann.
Als interessanter Nebeneffekt entstehen so aber von fast jeder Karte mehrfache Ausführungen. Schließlich kann jedoch nur eine Version das Rennen machen.

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