Aufbau einer „Über mich“-Seite für Coaches – Part II: Interview mit Jana Bruechmann

Die Frage nach der eigenen Motivation bekommen Coaches und Berater öfters gestellt als Mitglieder vieler anderer Berufsgruppen. Das liegt sicher nicht nur daran, das ein Klient neben dem monetären Aspekt gerne wissen möchte, was seinen Gegenüber bewegt, in den teilweise als sehr anstrengend und intim wahr genommenen Dialog mit einem selber zu gehen, um eine bessere Vertrauensbasis für den Dialog zu bilden. Es liegt auch daran, dass ein ressourcenfokusiertes Arbeiten beim Klienten selber früher oder später die Frage nach dessen Motivation(en) hinsichtlich Beruf oder Privatleben berührt.

Aus Sicht eines funktionierenden (Selbst-) Marketings ist die Frage nach der Motivation eines Coaches oder Beraters essentiell, um seine Selbstdarstellung auf eine stabile Grundlage zu stellen. Dabei findet eine glaubwürdige und authentische Beschreibung des „Moment of Truth“ erfahrungsgemäß mehr Zuspruch als ein lapidares „Mein Vater und Großvater waren auch schon Berater“. In diesem Sinne habe ich schon die meisten meiner Kunden und Kollegen nach ihrem ganz persönlichen Ereignis befragt, das sie zu ihrem heutigen Selbstverständnis geführt hat. Die Antworten reichen von banal bis zu bewegend. Aus der letzten Kategorie möchte ich Ihnen heute eine Person vorstellen, deren Geschichte es sogar ins Fernsehen geschafft hat.

Am 22.09.2016 veröffentlichte der WDR in seiner Sendung „Die Runde Ecke“ den Beitrag mit Jana Brüchmann, in dieser Jana mit bewegenden Worten von dem auslösendem Erlebnis spricht, dass Sie am Ende in ihre aktuelle Selbständigkeit als Coach und Berater geführt hat.

Ich habe ihr im Nachgang dazu einige Fragen gestellt…

RKO: Hallo Jana, schönen Dank das du dir heute die Zeit nimmst. Kannst du uns als erstes einige Informationen zu deiner Person geben, die wir nicht auf Xing oder anderen Präsenzen finden?

JBR: Was da nicht drin steht? Ich habe eine Familie mit zwei Kindern und tanze Salsa. Was soll ich darüber hinaus erzählen? Da fällt mir gar nicht so viel ein… Die geschäftlichen Informationen zu meiner Person findest du ja wie bereits angesprochen auf Xing und LinkedIn, inklusive meines beruflichen Werdegangs mit allen Stationen. Darüber hinaus bin ich noch ehrenamtlich sehr engagiert, da ich auch im Förderverein (der Schule, Anm. der Redaktion) und Elterngremien aktiv bin und mich eben auch sehr mit dem Bildungssystem gerade hier in Berlin beschäftige.

RKO: Aha. Wieso das?

JBR: Weil meine eigenen Kinder in die Schule gehen und ich da Handlungsbedarf sehe. An der einen oder anderen Stelle habe ich aber auch gelernt, dass ich dort zumindest alleine wirklich wenig ausrichten kann. Was ich halt machen kann ist, dass ich in dem direkten Umfeld an der Schule bzw. durch den Förderverein an der Schule und auch auf Bezirksebene in Berlin wenigstens ein bisschen Einfluss nehmen kann auf das was passiert – oder zumindest weiß was passiert. Das ist immer schon ganz hilfreich.

RKO: Das bedeutet du nimmst seine Mutterrolle nicht nur zu Hause ernst, sondern begleitest deine Kinder auch in der Welt da draußen?

JBR: Ganz genau. Das bedeutet, wenn ich also sehe was zu tun ist, dann greife ich dort auch einfach mal zu. Dann bringe ich mich ein.

RKO: Wenn dich einer fragt, Jana, wer bist du oder was bist du, was kommt dann als erstes? Bist du Coach? Oder kommt als erstes du bist Mutter?

JBR: Wenn mich einer fragt wer ich bin, dann sage ich, ich bin Jana Brüchmann! Ich bin Viele! Ich denke schon, dass ich ziemlich vielschichtig unterwegs bin und dass je nach Kontext meine verschiedenen Persönlichkeiten zutage kommen.

RKO: Okay., d.h. es lohnt auf jeden Fall, dich kennen zu lernen und herauszufinden welche deiner Persönlichkeiten einem jetzt begegnet ;-).

JBR: Genau!

RKO: Wenn ich jetzt mal zum eigentlichen Grund dessen, wieso wir dieses Interview führen, kommen darf. Du hast ja beim WDR diesen Beitrag aufgenommen wo es um den Verlust eines Kindes ging, und das ist doch ein sehr persönliches und auch sehr emotionales Thema. Jetzt ist meine Frage: Wie bist du dazu gekommen, was hat dich dazu bewogen, zum WDR zu gehen und diesen Beitrag aufzunehmen?

JBR: Ja, tatsächlich ist das eine sehr schräge Geschichte. Ich habe im letzten Jahr verschiedene Dinge erlebt und genossen, die ich vorher nie für möglich gehalten habe, die ich mir auch gar nicht hätte ausdenken können. Dazu gehört, dass ich im März das Thema Augenhöhe über die AUGENHÖHEwege Premiere kennengelernt habe, also die Filmpremiere des Dokumentarfilms.

Dabei geht es um Unternehmen und Organisation, die die Arbeitswelt anders gestalten und dadurch habe ich ganz viele Impulse für Bücher, für Menschen, für Netzwerke, für alles Mögliche bekommen, die mich total faszinieren, die mir sehr viel Inspiration geben. Dinge die mich total interessieren. Da habe ich mich dann richtig reingestürzt. Unter Anderem habe ich dabei auch eine Person kennengelernt, die selber ein ganz Energie geladener Mensch ist, auch Coach, und über den wiederum bin ich letztlich an diese ganze Thematik mit der runden Ecke geraten. Das hat sich irgendwie ergeben. Die haben für ihre zweite Staffel, die gerade läuft, noch ein paar Geschichten gesucht.
Und dann hab ich mir so gedacht: Eigentlich hätte ich Lust darauf, sowas mal zu machen. Vielleicht sollte ich dazu auch sagen, dass ich das Thema Storytelling total faszinierend finde. Ich bin seit Jahren TED Talks-Fan und konsumiere sehr viele Videos zu diesem Thema. Es bereichert mich sehr, gerade diese Verbindung zwischen der persönlichen Story, dem, was einen persönlich angeht und berührt, und den Fachthemen herzustellen. Ich habe immer gedacht, meine Präsentation sind eher nicht so toll (lacht). Ich habe es nie geschafft, diesen Storytelling-Ansatz irgendwie mit den Fachthemen, die ich präsentiert habe zu verknüpfen. Ich denke, deswegen hat es mich so fasziniert herauszufinden, ob ich auch irgendwie eine Geschichte erzählen kann. Aber es ist jetzt einfach, das im Nachhinein zu erklären. In dem Moment damals war mir das gar nicht klar.

Auf jeden Fall hat der WDR noch jemanden gesucht, der eine Geschichte für dieses Format der runden Ecke erzählen kann. Zwei Wochen später haben die sich sowieso in Berlin getroffen und da gab es auch noch andere Leute, die das mal versuchen wollten. Die haben das auf eine so unglaublich nette Art gemacht, gar nicht so wie man sich Fernsehen landläufig vorstellt, mit diesem reißerischen, sondern wirklich sehr menschlich, einfach sehr zugewandt. Der andere Coach, der dort auch seine Geschichte erzählt hat, sagte zu mir: „Jana, du hast doch bestimmt auch Geschichten zu erzählen, komm doch einfach mit!“

Und auf dem Hinweg habe ich mich noch gefragt, was mache ich hier eigentlich schon wieder (lacht)? Wie ist das jetzt schon wieder passiert? Und dachte mir aber: Probiere es einfach aus. Da habe ich dann meine Geschichte erzählt, das hatte mit meinen beruflichen Ambitionen überhaupt gar nichts zu tun. Das war einfach meine persönliche Geschichte. Davon natürlich nur ein Ausschnitt, der sich zeitlich noch abbilden ließ. Ich habe ja nicht bei meiner Geburt angefangen (lacht). Da gab es ein ganz kleines Publikum – also nur die, die selber gesprochen haben. Zwei Kameras, ein Mikrofon und eine Bühne. Das Setting war sehr ähnlich wie auch bei der eigentlichen Aufzeichnung später. Währenddessen habe ich gemerkt wie gut es mir dabei geht, diese Geschichte so zu erzählen. Wie klar ich bin. Ich hatte ja null Aufzeichnungen. Ich hatte keine Präsentation, keine Moderationskarten. Ich hatte gar nichts, woran ich mich festhalten konnte, wie man es sonst so bei Präsentationen gerne macht. Sondern es kam einfach so aus mir raus, und irgendwie tat das gut. Das war auch emotional für mich haltbar. Das war für mich schon mal die eine Seite der Geschichte, die ich faszinierend fand. Quasi eine Art Selbsterfahrung, begleitet davon, dass irgendwie alle meine Zuhörer von meiner Geschichte gefesselt waren. Die waren total gerührt, richtig fasziniert. Das hat mich so überrascht, weil ich damit gar nicht gerechnet hatte. Das hat mir aber, wie soll ich sagen, total viel gegeben. Es hat mich sehr bereichert, den anderen eine Geschichte zu erzählen, für die sich alle hinterher bedankt haben. Für die ich das Feedback bekam, dass das nicht nur eine krasse Geschichte sei, sondern dass jeder einzelne meiner Zuhörer in seinem Leben wiederum Situationen erlebt hatte, die er irgendwie mit meiner verknüpfen konnte. Und jeder Einzelne von Ihnen empfand es als wertvoll diese Geschichte zu hören! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Mein Ansatz war er eher: Ich geh‘ dorthin, um eine Geschichte zu erzählen. Mir ging gar es nicht darum, dass sie jemand hört. Soweit hatte ich gar nicht gedacht (lacht).

RKO: Wie waren denn so die Reaktionen von deinen Freunden, Bekannten, deiner Familie? Wussten die schon vorher Bescheid, dass du das machen wirst, und wie haben sie darauf reagiert?

JBR: Also vereinzelt wussten einige darüber Bescheid, dass das passieren wird, aber nicht im Detail. Es hat mich jetzt auch keiner begleitet und die Aufzeichnung selber war ja dann erst ein paar Wochen später. Da bin ich nochmal offiziell eingeladen worden. Der WDR hat diese Vorbereitungstreffen in verschiedenen Städten gemacht; haben sich angeschaut wer in die Sendung passt, wer in dieses Format passt. Dann ging es noch ein bisschen hin und her. Letztlich haben sie mich dann nach Köln eingeladen und dort wurde dann Anfang August die Aufzeichnung gemacht. Mein engstes Umfeld wusste darüber Bescheid, aber ich bin damit jetzt nicht hausieren gegangen. Die erste Reaktion von meinem Umfeld war dann Überraschung, weil mich wahrscheinlich keiner mit einem Fernsehauftritt in Verbindung gebracht hätte. Aber auch da war es für mich interessant, wie überaus positiv die Reaktionen waren. Von Freunden, aber auch besseren Bekannten, denen ich die Aufzeichnung von dem Interview als Link geschickt habe. Dass ich mich getraut habe, dass ich die Courage habe mich mit so einer Geschichte hin zu stellen, dass ich in der Lage war, das emotional auch – wie soll ich sagen – angemessen rüber zu bringen. Dass es offensichtlich für mich jetzt auch in Ordnung war, aber mich trotzdem berührt hat. Das war ein bisschen das Thema. Aber vor allem mein Mut, und dass ich als sehr starke und selbstbewusste Person wahrgenommen werde.

RKO: Ich gehe mal davon aus, dass du im Moment sowieso im Fokus deines Freundes- und Bekanntenkreis stehst, da du die letzten Monate ja dein ganzes Leben umgebaut hast. Das sprichst du in dem Beitrag ja auch an, dafür war der Verlust deines Kindes ja auch Auslöser, auch dein berufliches Leben in wesentlichen Aspekten neu zu überdenken und am Ende einen tiefen Einschnitt vorzunehmen. Kannst du das vielleicht noch mal ein bisschen erläutern?

JBR: Interessanterweise kann man das ja im Nachgang besser sehen. Die Aufzeichnung selber von meiner Geschichte ist jetzt ungefähr 11 Minuten lang. Das Original war 23 Minuten lang, d.h. die haben das auch deutlich zusammengeschnitten, was für dieses Format auch in Ordnung ist. Ich wusste das vorher. Ich habe einfach die Zeit gesprengt (lacht). Durch diesen Zusammenschnitt wird das auch mir erst so richtig klar, ehrlich gesagt. Das Interessante ist, dass das alles gar nicht so bewusst passiert ist. Ich habe bestimmte Erlebnisse in meinem Leben gehabt, und es gab ein paar Schlüsselsituationen. Unter anderem auch diese Erkenntnis in dem Meeting, in dem dann erzählt wurde, es wäre alles total schlimm, und es gäbe große Probleme, und da müssten wir unbedingt dringend etwas tun. In dem ich wahrscheinlich sehr verwirrt geguckt habe (was wahrscheinlich keiner gesehen hat). Und meine Frage war, ob denn jetzt einer gestorben wäre oder ob vielleicht jemand schwer krank sei? Die Aussage hat für mich einfach nicht mehr mit der Situation zusammengepasst. Das hat mich irritiert, weil ich ja vorher in diesem System eigentlich sehr gerne unterwegs war. Ich war gerne in diesem Konzern, und das hat mir auch viele Möglichkeiten eröffnet. Ich bin dort auch sehr gewachsen, das sieht man ja auch an meinem Werdegang. Es gab aber auch manchmal Situationen wo ich gedacht habe: Okay, das ist jetzt hier irgendwie seltsam. Das waren aber immer nur einzelne Situationen, in denen ich mir dachte, also irgendwas passt jetzt hier nicht mehr. Aber es war ja am Ende nicht so, dass ich bewusst diesen Schritt gemacht hätte. Letztlich hat die Firma mir ja ein Aufhebungsangebot gemacht. Aus strukturellen Gründen hat das ganze Team im Rahmen einer Umstrukturierung einfach pauschal dieses Angebot bekommen. Das hatte mit mir und meiner Leistung überhaupt nichts zu tun.
Ich war dann auch erst mal muffig (lacht). Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, klingt das eigentlich schon sehr interessant. Ich brauchte auch nach dem Ausstieg eine ganze Zeit im Sinne der Neuorientierung, weil ich ja tatsächlich keinen konkreten Plan hatte, was ich danach machen werde. Für mich war es im Grunde genommen die Mitte des Arbeitslebens, und ich dachte mir: Okay, vielleicht denke ich jetzt noch mal darüber nach, was ich wirklich machen möchte! Und das habe ich dann auch getan.

RKO: Nachdem du diesen Entschluss getroffen hattest, wie viel von diesem Weg bist du dann alleine gegangen, in wie weit bist du dann in diesem Weg begleitet worden? Ich weiß das du jetzt wieder in einem Netzwerk von Kollegen, unter anderem mit einem anderen Kunden von mir, Henrik Backerra zusammenarbeitest, parallel dazu machst du eine Coachingausbildung, diese wiederum bei einem anderen Kunden von mir, Passion for Coaching. Das alles macht doch jetzt schon wieder an der strukturierten Eindruck.

JBR: Also ich war immer begleitet. Ich habe mir einfach immer jemanden gesucht. Am Anfang war das eine Outplacement-Gesellschaft. Das war vertraglich vereinbart und auch sehr hilfreich, weil ich diesen ganzen Bewerbungsprozess lange nicht gemacht habe – also, mich außerhalb dieses Unternehmenskontextes zu bewegen. Dann habe ich verschiedene Dinge, unter anderem auch die Coaching Ausbildung angefangen, die ich unbedingt machen wollte. Ich habe mein verhandlungssicheres Englisch noch mal prüfen lassen, solche Sachen. Und dann bin ich wie gesagt durch Zufall zu der Premiere von diesem AUGENHÖHEwege Film gekommen und ab dann ging es erst so richtig los. Ich bin jetzt verbunden mit dieser Augenhöhe-Community. In der Zwischenzeit ist es sogar ein Verein, in erster Linie aber eine Gruppe von Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, in Organisationen auf Augenhöhe und dabei auch wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Über der Frage, wie das gehen kann bin ich dann auch auf verschiedene Bücher gestoßen, unter anderem Frederic Laloux (Reinventing Organizations, Anm. der Redaktion, siehe unten), und ich habe das Netzwerk Intrinsify.me kennengelernt, wo ich in der Zwischenzeit auch ein sehr aktives Mitglied bin. Intrinsify.me ist DER ThinkTank im deutschsprachigen Raum, der sich mit dem Thema neue Arbeitswelt beschäftigt. Die machen alle zwei bis drei Monate größere Veranstaltungen. Da bin ich sehr gerne dabei und es sieht auch ganz danach aus, als ob ich ein Regionaltreffen in Potsdam demnächst moderieren werde. Wir sind gerade auf der Suche nach einem Host dafür. Weiterhin hatte es sich auch ergeben, dass es zum Beispiel eine Open Space Veranstaltung ein Augenhöhe-Camp gab, in Hamburg fand es schon letztes Jahr statt, und dieses Jahr hier in Berlin im September. Dafür habe ich mir ursprünglich nur ein Ticket gekauft. Dann ergab es sich, dass ich diese Veranstaltung mit organisiert und mit moderiert habe.

Also ich bin inzwischen sehr begleitet (lacht), was diese ganzen Themen angeht. Und ich habe auch gelernt, mir helfen zu lassen, wenn ich irgendwo Hilfe brauche. Bei der Gründung meines Unternehmens zum Beispiel habe ich mich auch auf andere Personen verlassen, die mir dabei helfen konnten. Und es ist für mich sehr schön, jetzt mit Kollegen wie Hendrik Backerra gemeinsam Themen zu entwickeln, in denen wir als Partner zusammenarbeiten können. Mit der ganzheitlichen systemischen Coaching Ausbildung werde ich dann im April 2017, wenn ich fertig bin, eine sehr hochwertige Coaching Ausbildung absolviert haben, auf die ich auch sehr viel Wert lege, und die ich auch sehr genieße. So eine Coaching Ausbildung gibt einem auch noch mal sehr viele Impulse…

RKO: Bevor wir jetzt mit dem weitermachen, was du aktuell tust, und mit deinem zukünftigen beruflichen Fokus, möchte ich noch mal auf die Frage zurückkommen mit der wir ursprünglich gestartet sind: Wie kann Man(n) oder in deinem Fall Frau als Coach oder Consultant, der jetzt frisch in seine berufliche Zukunft startet, seine Motivation glaubhaft darlegen? Das ist dir ja jetzt mit dem Beitrag, der sogar im öffentlichen Fernsehen gesendet worden ist, bravourös gelungen.
Für mich als Marketingscoach, der ja mit solchen Themen ständig unterwegs ist, und ständig daran arbeitet, die Außendarstellung meiner Kunden zu optimieren und im wahrsten Sinne des Wortes nach außen zu bringen, für mich wäre es eigentlich jetzt notwendig erst mal eine Runde mit dir zu schimpfen! Denn wenn es nach mir gegangen wäre und ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich dich mit Sicherheit gezwungen, dich mit einem T-Shirt, auf dem quer deine Webadresse steht, vor die Fernsehkameras zu stellen (lacht). Natürlich mit dem Ziel, das Ganze noch mehr für deinen erfolgreichen Markteintritt nutzen zu können. Hast du alles nicht getan. Weil es dir einfach nicht so wichtig war?

JBR: Erst mal glaube ich, bin ich so nicht. Ich möchte nicht meine persönliche Geschichte, oder mein eigenes Leid oder das Leid anderer irgendwie ausnutzen. Und diese ganze Aufzeichnung beim WDR war wie gesagt überhaupt nicht geplant. Da bin ich irgendwie einen Schritt nach dem anderen rein geraten, und das war auch für mich ursprünglich eine rein private Sache. Eigentlich hatte ich da gar nicht vor, das irgendwie mit dem Beruflichen zu verknüpfen. Es hat sich einfach parallel dazu ergeben, dass ich mich selbständig gemacht habe, was auch nicht unbedingt mit so viel Vorlauf geplant war. Ich habe immer mal wieder darüber nachgedacht, aber dann hat es sich einfach so ergeben, und hat dann auch für mich Sinn gemacht. Das ist eher zufällig zeitlich zusammengefallen. Tatsächlich bin ich auch ein Stück weit überrascht gewesen, da ich mir zuerst die Frage gestellt hatte: kann mir das schaden? Wird mir das Schaden zufügen wenn ich so eine Aufzeichnung mache? Werden meine Familie und ich später damit in irgendwelchen anderen Kontexten konfrontiert werden? Und dann habe ich mir gedacht: nein, das passt schon. Vielleicht wird es mir helfen, vielleicht auch nicht. Es war mehr auf dieser Ebene. Jetzt im Nachhinein finde ich es ganz spannend, weil sich daraus tatsächlich auch neue Kontakte und Chancen ergeben haben. Ich bin jetzt im Gespräch mit Personen zu Vortragsthemen, die auch aus diesem Umfeld kommen, und bin jetzt sehr gespannt was in Zukunft noch passieren wird.

RKO: Worauf möchtest du denn in Zukunft einen beruflichen Fokus legen? Was sind denn jetzt die Themen, die du, wenn du auch die Ausbildung abgeschlossen hast, gerne in den Markt hineintragen möchtest?

JBR: Also, bei mir vereinen sich zwei grundlegende persönliche Überzeugungen: Zum einen möchte ich, dass Menschen artgerecht behandelt werden. Und artgerecht heißt, dass Menschen intrinsisch motiviert sind und sich weiterentwickeln wollen. Menschen wollen gleichzeitig einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten und fühlen sich verbunden mit der Gemeinschaft. Aber ich bin von Hause aus auch Betriebswirtin, und glaube andererseits schon ein Stück weit daran, dass man als Organisation wirtschaftlich erfolgreich sein muss. Dafür braucht es einen zugrunde liegenden “Sinn”, und diesen Sinn zu entdecken und zu gestalten ist für mich ein wichtiges Thema. Ich finde es extrem erschreckend, wenn man sich in verschiedenen Studien anschaut, wie unzufrieden Menschen auf allen Ebenen mit ihrem Job oder dem Kontext in dem sie arbeiten sind. Ich selber komme auch aus einer Organisation, die auch an verschiedenen Stellen schwierig ist, was das Menschliche angeht. Für mich ist das immer noch neu, aber es gibt tatsächlich Unternehmen, die viel menschlicher agieren. Da geht es nicht darum, dass man gemeinsam während der Bürozeiten an einem Kickertisch spielt oder sich abends mit den Kollegen zum Pizzabacken trifft. Es geht um eine viel tiefergehende Überzeugung, dass man im Einklang mit seinen eigenen Werten arbeitet, die dann auch möglichs auch mit denen der Organisation übereinstimmen.

Ich persönlich glaube daran, dass es echt Sinn macht, sich in diese Richtung zu entwickeln, und ich möchte das für mich und auch für das Umfeld auf das ich irgendwie Einfluss habe, erreichen. So wie ich es in der Schule und im Fernsehen gemacht habe, werde ich die Welt nicht retten. Aber ich kann an bestimmten Stellen doch unterstützen, mit meinen Fähigkeiten, mit meinen Erfahrungen, mit meinem Wissen und mit meinem Mut und meiner Stärke! Wie mir bereits bestätigt wurde, kann ich andere mit meiner Energie, meiner Kraft, meiner Lösungsorientierung und meinem Optimismus anstecken. Zusammen machen viele Dinge auch viel mehr Spaß, man kann sich gegenseitig befruchten und das möchte ich gerne auch im Beruf machen (lacht).

Ich mache das jetzt auch schon, dass ich Andere in ihren eigenen Situationen begleite: Als Einzelperson, im Teamgefüge, manchmal auch Beides, um die jeweiligen Zielsetzungen zu verfolgen und weiterzukommen und das am liebsten in einem Umfeld, das diese neue Arbeitswelt ermöglicht. In dem man sinnhaft arbeitet, in dem man menschenwürdig miteinander umgeht, in dem die Arbeit selber auch menschenwürdig ist; in diesem Umfeld möchte ich gerne Coachen, ich bin zwar gerade noch in der Ausbildung, aber ich habe bereits einige Klienten, die ich jetzt schon während der Ausbildung begleite. Was ich auch jetzt schon anbieten kann, sind zum Beispiel Workshops zur lösungsorientierten Haltung. In denen das Team lernt, wie man Lösungsorientierung nachhaltig machen kann, indem ich auch die Methoden und Werkzeuge übergebe. Das vielleicht auch mal ein bisschen spielerischer, anders als man es oftmals sonst im Unternehmenskontext macht. In denen man lernt, sich ein bisschen freier und offener zu machen und damit auch neue Impulse und Ideen zur Verfügung stehen. Das soll auch alles Spaß machen! Wir verbringen viel Zeit bei der Arbeit und es wäre ja auch mal schön, wenn das montags morgens für den Einzelnen bedeuten würde, dass er sich auf seinen Job freut. Das ist die Idee…

RKO: D.h. wir können hier noch einiges von dir erwarten! Wenn ich da auf dem Laufenden bleiben will, wie kann ich mich da sinnvoll mit der vernetzen?

JBR: Auf meiner Website natürlich, www.janabruechmann.de, auf Xing, ich bin auch auf LinkedIn zu finden und auch auf facebook.

RKO: Dann vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg!

Reinventing Organizations: An Illustrated Invitation to Join the Conversation on Next-Stage Organizations (English Edition)


The uplifting message of Reinventing Organizations has resonated with readers all over the world, and they have turned it, one conversation at a time, into a word-of-mouth phenomenon. The book has helped shift the conversation from what’s broken with management today to what’s possible. It is inspiring thousands of organizations—corporations and nonprofits, schools and hospitals—to adopt radically more powerful, soulful, and purposeful practices.

The book resonates widely, but not everyone has time to devote to a dense 360-page management book. This illustrated version conveys the main ideas of the original book and shares many of its real-life stories in a lively, engaging way. Don’t be surprised if you find it hard to put down and end up reading it almost in one sitting. Welcome to the conversation on next-stage organizations!

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