Aufbau einer „Über mich“-Seite für Coaches – Part I: Einführung und örtliche Suche

Aspekte im Aufbau einer „Über mich“-Seite für Coaches aus globaler und integraler Sicht

In den kommenden Beiträgen möchte ich mich mit den verschiedenen Aspekten beschäftigen, die ein Coach beim Aufbau einer „Über mich“-Seite beachten sollte. Dabei gehe ich sowohl auf technisch/operative wie auch auf allgemeine Aspekte der Selbstdarstellung und des „In Resonanz mit dem Kunden Tretens“ ein. Den Anstoß zu dieser Beitragsserie bekam ich in den letzten Wochen, während ich gemeinsam mit Kunden immer wieder teilweise sehr differenzierte Betrachtungen zu diesem Themenfeld erörtert habe.

Part 1: Allgemeine Einführung und örtliche Suche

Coaching ist ein persönliches Geschäft. Das zunehmende Angebot an E-Coaching (engl. electronic coaching), also Coaching, das nicht mehr face-to-face, sondern mit Hilfe von Videokonferenzlösungen wie Skype oder Adobe Connect stattfindet, legt den Rückschluss nahe, dass Coaching von jedermann /-frau und von überall her bezogen werden kann. In der Praxis ist es den Klienten aber nach wie vor sehr wichtig, die Person persönlich zu kennen, mit der sie teilweise intime Details ihres Lebens teilen.

Wenn der Coach nun seinen Kunden nicht über eine Empfehlung auf dem Silbertablett serviert bekommt oder auf anderen Wegen aktiv auf neue Interessenten zugeht, findet er sich immer häufiger in der Konkurrenzsituation mit anderen Coaches wieder, die sich vor allem im Internet mit ihren Leistungen präsentieren und darauf hoffen, dass die Wahl eines suchenden Kunden auf sie fällt.

Während nun die Anbieter von greifbaren Produkten (Fahrräder, Fernseher oder Hüten) oder gesellschaftlich verbreiteten und gesetzlich regulierten Dienstleistungen (Immobilienmakler oder Rechtsanwälte) sich im Wesentlichen auf die Darstellung ihres Portfolios konzentrieren können, stellt sich für einen Coach die Situation etwas schwieriger dar. Nicht nur, dass die Kunden oftmals mit den verschiedenen Coachingmethoden und –formaten nicht viel anfangen können, die gefühlte Sympathie für den Menschen hinter der Leistung spielt bei der Auswahl eine oftmals entscheidende Rolle.

Grundsätzlich unterscheide ich aus Sicht des Kunden zwei „Einkaufssituationen“:

Ich suche mir einen Coach für den persönlichen Bedarf, z.B. weil es in meinem privaten Umfeld im Moment ständig kriselt, den ich auch selbst bezahle. Dann entscheide ich mich unmittelbar aufgrund meines persönlichen Eindruckes, der sich zusammensetzt aus der wahrgenommenen Leistungsfähigkeit des Coaches im spezifischen Kontext, meinem Budget und dem oben genannten „Nasen-Faktor“. Das kann, wie bei vielen Kaufentscheidungen, frei nach dem Motto passieren: “Der Bauch entscheidet, der Kopf sucht die dazu passende Argumentation.” Es findet oftmals keine Validierung der Entscheidung in einer zweiten Iteration statt.

Ich suche einen Coach im Auftrag für eine oder mehrere dritte Personen, z.B. für ein Projekt “Kulturwandel in meinem Unternehmen” oder für die Teamentwicklung einer neuen Abteilung. Dann bin ich z.B. in der Rolle des HR-Beauftragten eines Unternehmens und muss die Ergebnisse meiner ersten Markt-Recherche meinem Geschäftsführer, dem Leiter des Einkaufes und dem operativ verantwortlichen Abteilungsleiter präsentieren, mit denen wir dann gemeinsam zu einer Entscheidung kommen. Hier wähle ich den Coach auch aus der Sicht meiner Kollegen aus, deren von mir antizipierte Meinungen in den Prozess mit einfließen.

In beiden Fällen prüfe ich den Anbieter der Leistung (Coaching) zuerst fachlich (Familiencoaching oder Organisationsentwicklung?) und dann persönlich (emotional ansprechend ja/ nein?). Budgets müssen meist erfragt werden, da die meisten Coaches sich auf ihren Webseiten dazu tendenziell eher nebulös äußern.

Für den ersten Blick haben die meisten Coaches auf ihren Webseiten schon auf der Eingangsseite ein oder mehrere Bilder von sich (oft in Form eines Sliders) zentral positioniert. Wenn der Kunde dann noch die angebotenen Formate ansprechend findet, führt der Weg ihn meist im Anschluss auf die „Über-mich“-Seite, wo er sich vor der endgültigen Entscheidung pro oder contra Kontaktaufnahme (die Conversion) noch einmal tiefergehend über den Coach als Person informieren möchte. Der letzte Schritt ist dann der Klick auf „Kontakt“, um ein Kontaktformular auszufüllen oder gleich zum Telefonhörer zu greifen.

  • Ein potenzieller Kunde möchte wissen, mit wem er es zu tun hat!
  • Eine gute „Über mich“-Seite verhilft zu einem Vertrauensvorschuss, der für die Conversion entscheidend sein kann. Je mehr der Kunde den Eindruck hat, mich bereits zu kennen, desto weniger Scheu, mich tatsächlich zu kontaktieren.
  • Natürlich lassen sich „Über mich“-Inhalte auch an anderer Stelle unterbringen (etwa auf der Startseite). Ein Menüpunkt „Über mich“ aber erlaubt meinem Kunden, auf direktem Wege an die Information zu gelangen, die er sucht.

Welche Aspekte interessieren den Kunden an meiner Person?

Bei der Suche nach einem Coach greifen im Prinzip dieselben Aspekte wie beim Online-Dating, nur in einer etwas anderen Priorität:

  • Örtliche Nähe (vor allem, wenn ich das Coaching noch zwischen Dienstschluss und Abendessen unterbringen will)
  • Qualifikation
  • Passendes Alter (was in diesem Fall aber oftmals ein gefühltes Mindestalter bedeuten kann)
  • Geschlecht (je nach Coaching-Thema suche ich oftmals einen gleich- oder gegengeschlechtlichen Coach)
  • Persönlicher Hintergrund (Für ein Coaching „Wiedereintritt in den Beruf nach Elternzeit“ wünsche ich mir einen Coach, der selber Kinder und diese Herausforderung erfolgreich gemeistert hat)

Der einzige Aspekt, der sich wesentlich unterscheidet, sind Referenzen oder Testimonials. Ich habe es bisher auf jeden Fall noch nicht beobachten können, dass gesellschaftssuchende Individuen auf Partnerbörsen dafür die verflossenen Beziehungen heranziehen oder sich ihre Leistungsfähigkeit im Boudoir attestieren lassen…

Während einen die Information über das Geschlecht mit dem ersten Bild des Coaches anspringt, setzt die Beantwortung der Frage nach dem Alter entweder ein aktuelles Foto oder einen Lebenslauf mit der direkten Angabe des Geburtsdatum/-jahres voraus. Auch ein Hinweis wie „Abitur 1997“ gibt dem Kunden hier einen validen Hinweis. Noch differenzierter wird es mit den allgemeinen Hintergrundinformationen, die sich aus Biografie, Erzählungen aus dem eigenen Coaching-Alltag und/ oder einer umfangreichen Selbstdarstellung zusammensetzen können. Mehr dazu in den kommenden Beiträgen.

Örtliche Suche

Die örtliche Nähe kann ich entweder aus den Pflichtangaben im Impressum, einer Karte mit Anfahrtsbeschreibung im Bereich Kontakt oder einem Eintrag bei Google Places ableiten. Die Angaben im Impressum sind dabei etwas mit Vorsicht zu genießen. Oftmals hat ein Coach eine Privatadresse, auf die das Unternehmen gemeldet ist mit dem notwendigen Postfach, und eine oder mehrere Wirkungsstätten, die durchaus mehrerer hundert Kilometer auseinander liegen können.

Ich kenne mehrerer Fälle, in denen Google sich einfach die Privatadresse aus dem Impressum gezogen hat und diese dann immer mit dem Namen des Coaches und den Inhalten der Webseite verknüpft, was dazu führt, dass die Seite in der Suchbegriffs-Kombination „systemisches Coaching“+„Privatadresse“ gelistet wird und nicht „systemisches Coaching“+„Ausführungsort“. Das kann dazu führen, dass viele Suchanfragen ins Leere laufen und wertvolles Kundenpotential für den Coach verloren geht.
Im schlimmsten Falle haben Sie 10 Minuten nach Beginn der ersten Coaching-Session Telefonate mit dem Neukunden, der steif und fest behauptet, vor der Tür zu stehen und auf die Klingel mit ihrem Namen zu drücken und sich wundert, warum Sie ihm nicht aufmachen…

Grundsätzlich muss ich für mich persönlich am Anfang die Frage klären, ob ich eher als „niedergelassener Coach“ mit Praxis arbeiten möchte oder als „reisender Coach“, der beim Kunden vor Ort deutschlandweit oder im Extremfall sogar weltweit unterwegs ist. Im zweiten Fall kann eine Geolokalisierung sogar kontraproduktiv sein, weil ich die Verknüpfung mit einem bestimmten Ort aus Sicht einer Suchmaschine oder eines potentiellen Kunden gar nicht wünsche. Für die Suchmaschine empfehle ich im Zweifelsfalle die Ortsangabe im Impressum zusammen mit der gesamten Impressumseite auf „no follow“ zu setzen, um die Indizierung durch Google & Co zu verhindern.

Wirkungsradius und Anfahrtskosten

In jedem Fall muss ich meinen Wirkungsradius für den Kunden deutlich machen und sollte eventuell zusätzlich anfallenden Anfahrtskosten frühzeitig adressieren. Diese Information kann ich auch in allgemeinen Geschäftsbedingungen verankern. Üblich sind die bewährten 30 Cent pro gefahrener Kilometer oder dass Reisezeit hälftig als Arbeitszeit abgerechnet wird.

In den ABGs verankere ich dann auch die Pflicht, einen Termin rechtzeitig abzusagen, damit ich wenigstens meine Fahrtkosten (besser noch den gesamten Termin) abrechnen kann, wenn ich einmal vor dem verwaisten Haus meines Kunden stehe, der sich im Urlaub befindet und vorher nicht seine Termine aufgeräumt hat. Auch die Seite mit den AGBs setze ich dann übrigens auf “no follow“. Es gibt leider immer noch mehr als genügend Rechtsanwälte, die auf der Suche nach schnell verdientem Geld über Google nach abmahnfähigen Formulierungen in ABGs suchen…

Örtliches Kundenpotential

Selbst wenn ich mich entscheide, mir maximal in einem Umkreis von 150 Kilometern neue Kunden zu suchen, ist es nicht immer zielführend, die tatsächliche Ortsangabe meiner Homebase als Zentrum des Zielgebietes zu definieren. Gerade in eher ländlich orientierten Bereichen oder wirtschaftlich nicht so gut aufgestellten Städten kann mein Teich, in dem ich fische, sehr überschaubar sein. Ich selbst wohne aktuell in Worms und eine kurze Konsultation des Google Keyword-Planners ergab, dass nach der Suchbegriffskombination Coaching + Worms jeden Monat ganze 10 Personen suchen!

Selbst wenn ich es schaffe, mich irgendwann auf die erste Seite der Ergebnisliste vorzuarbeiten, und ich darüber hinaus davon ausgehe, dass alle diese Personen sich meine Webseite anschauen, und ich eine traumhafte Conversion von 10% erreiche, kann ich hier nur mit einem Anruf pro Monat rechnen.

Ergebnisse der Suchanfragen in den verschiedenen Kombinationen Coaching+Ort

Verlege ich aber meinen Wirkungsraum nach Mainz oder Frankfurt (beides ca. 45 Minuten Anfahrt), dann suchen nach diesen jeweiligen Begriffskombinationen immerhin durchschnittlich 170 bzw. 590 Personen pro Monat. Natürlich ist hier auch der Mitbewerb wesentlich höher, aber ich habe wenigstens die Chance, um eine wirtschaftlich interessante Menge von Kunden zu konkurrieren. Mit einem ansprechenden Webauftritt und einer guten Suchmaschinenstrategie erhöht sich die Menge der potentiellen Anrufer schnell um den Faktor 10!

Örtliche Suche Zusammenfassung:

  • Der Faktor örtliche Nähe spielt auch im Aufbau der Webseite für einen Coach eine wichtige Rolle
  • Je nachdem wie ich mich mit meiner Leistung aufstelle, muss ich nicht nur die Wahrnehmung der Kunden, sondern auch die der Suchmaschinen aktiv steuern
  • Die Verknüpfung meiner Leistung mit einem bestimmten Ort kann das aktiv suchende Kundenpotential wesentlich beeinflussen

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