5 Schritte zum erfolgreichen Social Media Marketing für Coaches

Werden Sie in 5 Schritten zum “CSMO”, Ihrem eigenenen Chief Social Media Officer

Im Kanon der Kommunikationskanäle ihrer Außendarstellung ist der Kanal Social Media bei meinen Kunden oftmals ein ungeliebtes, wenn nicht gar gefürchtetes Kind. Neben den Wenigen, die als “Digital Natives” mit facebook & Co aufgewachsen sind und furchtlos auf der Klaviatur dieses mächtigen Marketing-Instrumentes spielen, übt sich die Mehrheit in dezenter Zurückhaltung.

“Das ist doch was für Jugendliche…”/ “Da posten die nur ihr Essen…”/ “Als seriöser Coach habe ich da nix zu suchen…” sind immer wiederkehrende Vorurteile, die vor allem einer hohen gefühlten Unsicherheit im Umgang mit diesem Medium geschuldet sind. In diesem Sinne versuche ich mich heute an einem ersten Beitrag, um diesen Kommunikationskanal sachlich zu beleuchten und aus der Sicht eines Coaches auf der Suche nach Kunden(kontakten) zu bewerten.

Denn objektiv betrachtet kann ein Coach oder Berater mit einer überlegten und strategisch ausgerichteten Social Media Strategie seine Bekanntheit nachhaltig steigern und das Bewusstsein der Zielgruppen für seine Expertise und die Wirksamkeit seiner Formate schärfen. Unabhängig von den klassischen Medien wie Fernsehen und Radio kann er/sie sich als der Experte/die Expertin für bestimmte Themenfelder positionieren. Dabei sind die Kosten für dieses „Sichtbarwerden“ im Vergleich zu anderen Kanälen vor allem mit Blick auf den finanziellen Invest sehr überschaubar. Ganz besonders für Coaches, die sich auch als Autoren betätigen, gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, ein Buch oder eigene Artikel der breiten Masse bekannt zu machen, als den Einsatz von Social Media. Denn gerade im Kanal Social Media kann ich relativ hemmungslos in die Bekanntheit meiner eigenen Person investieren, ohne dass es von meinen Kunden oder meinem Netzwerk negativ wahrgenommen wird. Losgelöst von (in meinen Augen) Verirrungen wie dem berüchtigten Klout-Service ist dabei der Erfolg regelmäßiger Zuwendung zu diesem Medium nicht nur messbar, sondern auch nachhaltig und finanziell rentabel.

Ziel dieses News-Beitrages

Wie immer ist es mir in meiner Rolle als conceptMarketeer wichtig, Ihnen als Coach oder Berater nicht nur abstrakte Hinweise und eine globale Richtung vorzugeben, sondern ich möchte Sie auffordern, sich in einem „Prozess der Bewusstwerdung“ mit diesem Kommunikationskanal auseinanderzusetzen, sich eine Meinung zu bilden und im Falle eines positiven Bescheides dieses Medium für sich nutzen zu lernen. Daher versuche ich mich hier an einer Anleitung, wie Sie in 5 einfachen Schritten Ihr eigener CSMO werden können.

In den USA gibt es daher bereits seit geraumer Zeit die Position des “CSMO”, des Chief Social Media Officer. Dieser plant und koordiniert alle Social Media Aktivitäten des eigenen Unternehmens und ist für ihre Umsetzung und ihre Wirksamkeit verantwortlich. Neben der Rolle des Feuerlöschers, wenn es doch mal zu einem gefürchteten Shitstorm kommen sollte, ist er auch als Technology Evangelist für das konsequente Vorleben der internen und externen Aktivitäten in diesem Kanal zuständig.

Die integrale Sicht

Wie nähere ich mich jetzt aus Coaching-Sicht einem Thema wie Social Media?

Coaching ist eine ressourcenorientierte Herangehensweise an die Herausforderungen unserer Kunden, das heißt, wir helfen ihnen unter Anwendung von Coachingtools und –techniken, ihre eigenen Ressourcen zu identifizieren und zu aktivieren, um bis dahin unüberwindlich scheinende Anforderungen neu zu bewerten, für sich anzunehmen und positiv aufzulösen. Also erscheint es nur als logisch, wenn wir uns mit der selben Herangehensweise den oben beschriebenen Unsicherheiten und Reaktanzen im Umgang mit dem Kanal Social Media nähern. In meinem Fall betrachte ich mal einen ganz konkreten Kanal (facebook) als die bestehende Herausforderung durch die integralen Brille und nehme eine ganz persönliche (und damit auch höchst subjektive) Einordnung und Bewertung vor:

First Tier

Beige: Überleben und Instinkt

Im ersten Moment bin ich versucht, das beige Mem als nicht anwendbar auf Social Media als Ganzes abzutun — Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ich facebook oder Twitter zum Überleben bräuchte. Allerdings muss ich zugestehen, dass die Koordination von Rettungskräften und Ressourcen im Falle jüngster Naturkatastrophen über diese Kommunikationskanäle besser funktioniert hat, als über die vielerorts zusammengebrochenen Strukturen von Festnetz- und Mobiltelefonen. Facebook als „Many-to-Many-Kanal“ hat eben eine ganz andere Reichweite, als wenn ich EINEN Freund anrufe.

Des Weiteren hat eine Forsa-Umfrage bei Jugendlichen unlängst ergeben, dass bei 14- bis 19-Jährigen fast zwei Drittel angegeben, dass sie lieber auf das Fernsehen verzichten würden als eine Woche auf ihr Smartphone. Dabei hat die Umfrage auch ergeben, dass den Jugendlichen eine schnelle mobile Internetverbindung wichtig ist. 53 Prozent der Befragten wollten sich damit unterwegs über soziale Netzwerke wie facebook austauschen. Sogar das Liebesleben ist vielen Befragten weniger wichtig als ihr Telefon: 60 Prozent wollen lieber auf Sex als auf ihr Handy oder Smartphone verzichten – unter den befragten Frauen waren es laut Studie sogar 70 Prozent.
Anscheinend adressiert facebook die untersten Ebenen der Maslowschen Bedürfnispyramide doch stärker, als ich es aus meiner betont abgeklärten Sicht heraus wahrhaben möchte ;-).

Purpur: Zusammengehörigkeit und Rituale

Ich persönlich glaube, dass es nur zwei grundlegende Motivationen gibt, eine Information über facebook zu teilen: Ich will entweder zeigen, dass ich zu einer bestimmten Gruppe von Menschen zugehörig bin ODER ich will zeigen, dass ich etwas ganz Außergewöhnliches weiß/ kann/ besitze, und damit etwas Besonderes und eben nicht einer Gruppe von Menschen zugehörig bin. Beispiele für Ersteres sind alle Fotos oder Selfies von Konzerten/ Festivals/ Hochzeiten/ sonstigen Events, mit denen ich zeige: “Schaut, ich war auch mit dabei!”

Beispiele für Zweiteres sind alle Bilder von Sneakers aus der XY-Limited Edition, speziellen Backstage-Pässen und Selfies mit berühmten Personen die zeigen: “Schaut her wie besonders und einzigartig ich bin!” Dieses sehr bindungsorientierte Verhalten in facebook, das sich durch die exzessive Nutzung von Bildern und Emoticons auch durchaus als vorschriftlich interpretieren lässt, zeigt für mich eine ganz klare Qualität von Purpur.

Rot: Ich-Bildung und Impulsivität

Eigentlich müßig, dazu auch nur drei Worte zu verlieren: Wer ernsthaft die Wahrnehmung hat, dass facebook nicht mehr oder weniger von allen Personen im eigenen persönlichen Umfeld genutzt wird, um die dunkelrote Seite der Selbstdarstellung auszuleben, der bewegt sich anscheinend in einem vollständig grünem Umfeld im Übergang zum Second Tier ;-). Vielleicht ist hier eines der Kernprobleme meiner Kunden im Umgang mit diesem Medium begraben? Die Ablehnung des eigenen roten Anteils aus der Sicht eines vollständig entwickelten grünen Wir-Mems…? Die Unsicherheit im Umgang mit den Erfordernissen hemmungsloser und schuldbefreiter Selbstdarstellung auf Kosten anderer…?

Tatsächlich können es sich die wenigsten meiner Kunden aus dem Umfeld des Coachings oder der Beratung vorstellen, sich in der Art eines Marktschreiers in die Mitte der Gemeinschaft zu stellen und laut zu postulieren: “Kommt zu mir, ich bin der Beste!” Geschweige denn im Falle eines Konfliktes bewusst und mit voller Absicht auf einem Mitbewerber verbal herumzutrampeln. Dementsprechend hoch ist auch die gefühlte Angst vor Trollen, Hatern und Stalkern. Ein perfektes Beispiel übrigens für die Ergebnisse einer Verletzung von Rot im Kindesalter: Personen, die anonym unflätige oder beleidigende Kommentare auf Community-Plattformen posten, sind im Kern überwiegend Menschen mit einem Defizit an Zuwendung, sprich Aufmerksamkeit. Für die Psyche des Trolls entsteht durch die provozierten negativen Emotionen des Angegriffenen ein Lustgewinn, da Erfolgshandlungen beim Ausgleichsversuch eines frühkindlich manifestierten Defizits „Belohnungssubstanzen“ im Gehirn freisetzen. Diese Ausschüttung wiederum führt dazu, den Vorgang zu wiederholen und zu verstärken, ähnlich einem Suchtverhalten.

Blau: Sinnfindung und Ordnung

An dieser Stelle muss ich noch einmal auf den Begriff der Digital Natives vs. Digital Immigrants eingehen. Wie ich erst kürzlich in einem Buch über Social Media Marketing von Stephanie Holmes lesen musste, gehöre ich selbst mit einem Geburtsdatum vor 1978 noch zu der zweiten Gruppe. Das heißt, ich habe mir im Gegensatz zu den Digital Natives die digitalen Technologien erst später im Leben angeeignet. Ich nutze die zugehörigen Geräte und Plattformen, gehe jedoch weniger intuitiv mit der Technologie um und spreche die digitale Sprache mit einem „Akzent“, genau wie ein Erwachsener eine Fremdsprache nicht mehr so gut lernt.

Laut der Autorin ist der erste Unterschied zwischen Digital Natives und Digital Immigrants, dass wir Digital Immigrants Arbeitstiere sind, welche wie die direkte Nachkriegsgeneration in der Erwartung und Bereitschaft lebt, hart zu arbeiten um Ergebnisse zu sehen. Wir denken langfristig und sind bereit, viel mehr zu investieren, bevor die Leistung belohnt wird.

Im Gegensatz dazu gehen die Digital Natives die Dinge eher spielerisch an. Sie sind in einfacheren Zeiten aufgewachsen als die Ältere Generation und sind weniger bereit, sich z.B. für ihren Arbeitgeber aufzureiben. Sie sind risikofreudiger und am besten durch Gamification zu motivieren, sprich Belohnungssysteme für Leistungen, die den Leveln eines Computerspieles ähneln. Diese unmittelbare Belohnung für kleine Schritte ist etwas, an das sich unser Gehirn durch Social Media gewöhnt.

Es ist für mich als Mensch mit einem ausgeprägten Schwerpunkt in Blau also beruhigend zu sehen, dass ich hier einem Generationen-Problem anheimfalle und nicht als einziger in facebook keinen Sinn und keine höhere Ordnung erkennen kann ;-). Was bleibt, ist der Aspekt von Transzendenz und Leben über den Tod hinaus: Sollte ich als facebook-Nutzer sterben, haben meine Freunde und Verwandte zwei Möglichkeiten, mit meinem facebook-Account umzugehen: Sie können den Account entweder in den Gedenkzustand versetzen oder komplett löschen. Wenn sie mein Konto im Gedenkzustand erhalten, bietet sich ihnen die Möglichkeit, weiter auf meiner Pinnwand Einträge zu hinterlassen. Alle anderen Aktivitäten werden unterbunden. Tote facebook-Mitglieder schlägt facebook anderen Nutzern auch nicht mehr als Freunde vor. Alternativ können Angehörige das Konto löschen lassen. Damit würden sie mir allerdings ein digitales Weiterleben nach dem Tode verwehren…

Orange: Vernunft und Freiheit

Ich denke, ich gehe nicht zu weit, wenn ich facebook mit seinen beinahe unbegrenzten und nur minimal durch datenschutzrechtliche Bedenken beschränkten Möglichkeiten des Informationsaustausches als Sieg des freien, marktwirtschaftlich orientierten, fortschrittsgläubigen und selbstbestimmten Individuums würdige. Kein Wunder, dass facebook in Ländern wie China konsequent verboten ist.

Allerdings gibt sich Orange nicht immer als solches zu erkennen. Viele Agenturen haben es in der Zwischenzeit zu einer Kunstform entwickelt, Orange in Grün oder auch gerne mal in Purpur zu verkleiden, um die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Interessen nicht allzu deutlich werden zu lassen.

Grün: Gleichheit und Gemeinschaft

In Grün steht die Gemeinschaft, die menschlichen Bindungen, ökologische Sensitivität und menschliche Vernetzung im Vordergrund. Abgesehen von dem manchmal im Umfeld wahrgenommenen Mangel an Sensitivität und Spiritualität in diesem Kanal haben Menschen mit einem Schwerpunkt in Grün hier eigentlich alle (technischen) Möglichkeiten, um Netzwerke und Gemeinschaften zu bilden und auszubauen, um in Harmonie und völliger Abwesenheit von Hierarchie in den Dialog zu gehen. Die Möglichkeiten, sich innerhalb von facebook mit Umfragen und Kampagnen für karitative Zwecke einzusetzen oder die Gemeinschaft zu aktivieren, um einen Einzelnen zu unterstützen (egal ob politisch verfolgt oder die Katze entlaufen) entspricht zutiefst dem Anspruch von Grün an seine idealisierte Vorstellung von Harmonie in der Gemeinschaft. Daher sollte es aus Sicht von Grün bis auf die oben geäußerten Reaktanzen gegen die Selbstdarstellung in Rot und die spiral-inhärente Abneigung gegen die Forcierung wirtschaftlicher Interessen in Form von Werbeeinblendungen in facebook gespeist aus Orange hier eigentlich nichts an diesem Kanal zu bemängeln geben.

Second Tier

Gelb und Türkis: Aufgrund eingeschränkter eigener Erfahrung und Mangel an gesicherten Erkenntnissen in diesem Bereich belasse ich es bei der Betrachtung von facebook aus Sicht des First Tiers.

5 Schritte zur Integration von Social Media in Ihre Außendarstellung

Schritt 1 — Zuhören: Meine Social Media Kanäle auswählen und in Resonanz gehen

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Bei facebook verhält es sich wie beim Fußball: Um mitreden zu können, muss ich auch mal mitspielen. Das bedeutet, ich muss auch als Coach oder Berater, der sich einem Thema erst einmal gerne über ausführliche Recherche und den umfangreichen Konsum von Fachliteratur nähert, irgendwann den ersten Schritt gehen, mir einen Account bei facebook zu erstellen und ein Profil anzulegen.

Bei facebook beginnt alles mit einem Personenprofil. Im Sinne des Social-Networking-Gedankens ist ein Personenprofil auf Privatpersonen ausgelegt, die sich mit ihren Freunden und Bekannten verknüpfen wollen. Auf ihren Profilen können sie persönliche Informationen austauschen, Interessen teilen und vieles mehr. Nutzer privater Profile vernetzen sich untereinander, indem sie Freundschaftsanfragen versenden und annehmen. Das funktioniert nicht automatisiert, sondern manuell.

Mit diesem Personenprofil kann ich mir wiederum beliebig viele Unternehmensseiten anlegen, ohne dass ein Besucher diese miteinander in Verbindung bringen könnte. Wenn ich also für mein Personenprofil einen Spitznamen oder Pseudonym (was allerdings von facebook nicht gerne gesehen wird und im Extremfall dazu führen kann, dass facebook das Profil ohne Rückfragen löscht) nutze, kann ich meine privaten von meinen geschäftlichen Aktivitäten klar trennen und werde ohne Kenntnis des genauen Namens gar nicht erst gefunden. Hier reicht es oftmals schon, statt seines Rufnamens den zweiten Vornamen als Klarnamen für das Profil zu nutzen.

Hier stellt sich natürlich für einen Coach schon ganz am Anfang die erste Sinnfrage: Trenne ich meine private Person von meinem beruflichen Dasein als Coach? Geht das überhaupt? Jeder Psychotherapeut würde diese Frage jetzt ganz klar mit JA beantworten, hat man nicht genau deswegen eine dreistellige Anzahl von Stunden mit Selbsterfahrung verbracht, um sich in der Interaktion mit dem Patienten selber aus der Gleichung streichen zu können!
Für einen Coach wie mich, der normalerweise ein partnerschaftliches Verhältnis mit seinem Klienten auf Augenhöhe anstrebt, verhält es sich da natürlich anders. Die meisten meiner Kunden betreiben ihre facebook-Auftritte daher als einfache Personenprofile. Sollten Sie sich im Rahmen der kommenden Schritte dagegen entscheiden, diesen Social Media Kanal auch vertrieblich nutzen zu wollen, können Sie jetzt mit den entsprechenden Privatsphäre-Einstellungen und einer vorsichtigen Auswahl Ihrer Freundesliste auf facebook im Prinzip veranstalten was Sie wollen, solange es nichts mit Pornographie oder Rechtsradikalismus zu tun hat.

Sollten Sie sich allerdings dafür entscheiden, den Kanal in Ihr Marketingkonzept einzubinden, wäre es empfehlenswert, sich im kommenden Schritt mit dem Teilen von allzu persönlichen Inhalten zurückzuhalten. Wer selbst als Familien- oder Paartherapeut seinen Unterhalt bestreitet, kann gerne auf facebook mit Bildern der eigenen glücklichen Familie den bildlichen Beweis seiner Kompetenz für diesen (Fach-) Bereich posten, der Rest hält sich an dieser Stelle besser zurück. Wer als Coach aber facebook über die Selbstdarstellung hinaus für den ernsthaften vertrieblichen Einsatz nutzen will, für den schreiben die Nutzungsrichtlinien sowieso den Einsatz einer Unternehmensseite vor. Wenn Sie sich aus Versehen ein privates Profil angelegt haben oder auf halbem Wege feststellen, das Sie einmal zu oft Ihre Workshops oder Seminare mit Ort, Datum und Preis sowie einem klaren Call-to-Action angeteasert haben, dann steht Ihnen immer noch die Möglichkeit offen, Ihr privates Profil in eine Unternehmensseite umzuwandeln. Der Vergleich von Personenprofilen und Unternehmensseiten würde einen eigenen Artikel füllen, ich gehe in den kommenden Schritten noch etwas detaillierter auf die Unterschiede ein.

Für den ersten Schritt als Coach in die wunderbare Welt von facebook empfehle ich ganz klar, es erst einmal bei einem Personenprofil zu belassen. Das ermöglicht Ihnen, ganz privat mit dem Medium in Resonanz zu gehen. Wie jeder gute Coach in der ersten Coachingsession mit einem neuen Klienten sollte ich nämlich erst mal ganz genau hinhören, bevor ich anfange, selbst zu sprechen und Aussagen in den Raum zu stellen. Und solange ich noch kein Gefühl für die Netiquette bei facebook habe und mir bei manchen Smileys und Akronymen immer noch unsicher bin, was diese denn wirklich genau bedeuten, sollte ich von einer Unternehmensseite erst einmal die Finger lassen.

20 Freundschaftsanfragen später und nach dem Liken von 10 Fanpages favorisierter Künstler, Kollegen oder Autohersteller füllt sich die eigene facebook-Timeline dann auch mit den verschiedensten Statements und Selbst-Aussagen, die sich ganz hervorragend mit dem eigenen Werkzeugkasten der täglich angewandten Kommunikationsmodelle analysieren lassen! Wie oft musste man sich die dumme Frage anhören: “Werde ich jetzt analysiert?” kaum dass das Gegenüber erfahren hat, womit man sein Geld verdient oder was man studiert hat. Endlich kann ich mit süffisantem Grinsen sagen: “Ja, wirst Du!” Wer an dieser Stelle Lust auf ein kleines Sozialexperiment mit ungewissem aber sicher emotionalem Ausgang hat, möge doch mal an die Pinnwand eines guten Freundes folgende oder ähnliche Nachricht (öffentlich) posten: “Ich habe mir den Vormittag Zeit genommen, die Beiträge in Deiner Timeline aus der integralen systemischen Sicht zu analysieren. Lass uns bitte zeitnah einen Termin in meiner Praxis vereinbaren, es sei denn, Du nimmst schon anderweitig professionelle Hilfe in Anspruch…”

Denn wie heißt es so schön: Man sollte immer bereit sein, für einen guten Joke auch eine langjährige Freundschaft auf Spiel zu setzen! 😉

Spass beiseite, nehmen Sie sich doch einfach einmal ein absolutes Grundlagenmodell, z.B. das “Vier-Ohren-Modell” von Schulz von Thun. Wie viel von dem, was ich hier von meinen Freunden in Form von selbst eingestellten oder geteilten Inhalten lese, ist eine Sachinformation, eine Selbstkundgabe, ein Beziehungshinweis oder ein Appell? Wie würde ich als Coach damit umgehen, wenn sich mir ein Klient in einer Sitzung mit diesen Aussagen präsentiert? Bei welchen Aussagen würde ich nachhaken?

Oder wenn wir mal aus der systemischen Sicht schauen: Wie stellt sich für mich sein facebook-Freundeskreis dar? Schon mit einer einfachen zirkulären Frage wie: “Was würde Deine Mutter sagen, wenn sie diesen Post von Dir lesen würde? Was könnten Deine Freunde antworten?” kann man auf facebook viel Freude haben…

Schritt 2 — Teilen: Erste Schritte in der Weitergabe und im Kommentieren von Inhalten

Wenn Sie sich den ersten Überblick darüber verschafft haben, was für Inhalte so en vogue sind und Sie mit Staunen völlig neue Seiten von Freunden und Bekannten kennengelernt haben, ist es an der Zeit, sich das erste Mal aktiv zu beteiligen. Suchen Sie sich einen Post, den Sie teilen möchten. Das kann der Status eines Freundes oder ein schon geteilter Beitrag eines Freundes sein, ein Post von einer Seite, die Ihnen gefällt oder sonstiges. Klicken Sie unter dem Post auf “Teilen” und genießen Sie den Moment, in dem Sie das erste Mal einen aktiven Anteil an facebook genommen haben ;-).

Laut einer Studie der New York Times mit mehr als 2.500 Teilnehmern gibt es 5 wichtige Gründe, die Fans einer Seite dazu bringen, einen Post zu teilen:

1. Um Freunde zu informieren oder zu unterhalten
Menschen teilen am liebsten verblüffende und lustige Inhalte. Hierzu zählen auch sämtliche visuelle Statements in Form diverser, mehr oder weniger lustiger Sprüchebilder. Aber auch Informationen über günstige Angebote favorisierter Marken oder Neuigkeiten aus Politik und Gesellschaft gehören zu den Posts, die wir teilen, um unseren Freunden einen Dienst zu erweisen. 94% der Befragten ist es wichtig, wie nützlich die Informationen, die sie teilen, für den Empfänger sind.

2. Um sich selbst darzustellen
Ein natürliches Bedürfnis des Menschen ist es, Bestätigung und Anerkennung bei seinen Freunden zu erhalten und als Experte in bestimmten Bereichen zu gelten. Dies tun wir online durch das Teilen von Inhalten. 68% der Studienteilnehmer gaben an, Inhalte zu teilen, um Werbung für sich selbst zu machen und ihre Außendarstellung positiv zu beeinflussen. Sie wollen durch diese Eigenwerbung anderen Nutzern ein besseres Verständnis und klareres Bild von sich selbst vermitteln.

3. Um Beziehungen aufzubauen und weiterzuentwickeln
Menschen brauchen Beziehungen zu anderen Menschen und suchen nach Gemeinschaft. Dazu gehört die Nutzung eines Kanals wie facebook um miteinander in Kontakt zu bleiben und am Leben des Anderen teilzuhaben, aber auch sich dem Anderen nahe zu fühlen, indem man das Fan-Sein und damit die öffentliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Marke/ Rockband oder den gemeinsamen Besuch eines Festivals teilt — selbst wenn man sich dort gar nicht persönlich begegnet ist. 78% der Befragten gaben an, dass sie Informationen auf Social Media Plattformen teilen, weil es ihnen ermöglicht, mit Menschen verbunden zu bleiben, mit denen sie sonst nicht den Kontakt halten könnten.

4. Um am Geschehen teilzuhaben
69% der Befragten gaben an, sie teilen Informationen, weil sie sich dadurch stärker als Teil der Gemeinschaft fühlen. Sie freuen sich über Kommentare, wenn sie interessante Posts teilen und dass ihre Freunde sie ebenfalls wiederum an andere Freunde weiterleiten. Obwohl man vielleicht alleine zu Hause ein Fußballspiel der Champions-League schaut oder im Regen auf den Bus wartet, erhält man durch Teilen von Beiträgen das Gefühl, am aktuellen Geschehen in der Welt beteiligt zu sein und als Überbringer der Botschaft sogar einen Teil zur Entwicklung einer Situation beigetragen zu haben.

5. Um eine Organisation oder Person zu unterstützen
Laut der Studie teilen 84% der Nutzer Inhalte zu Themen, für die sie sich begeistern und engagieren können. Sei es um Armut oder Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen, Greenpeace zu unterstützen oder für eine lokale Einrichtung zu spenden – viele Benutzer sozialer Medien zeigen gerne ihr Engagement für einen guten Zweck und fühlen sich dabei als Teil von etwas Größerem als nur dem eigenen Freundeskreis oder als Fan einer Marke oder eines Produktes.

Stellen Sie sich jetzt noch einmal ganz bewusst die Frage, welche der oben genannten Motivatoren auf Ihren gerade eben geteilten Post zutrifft! Vielleicht sind es auch mehrere gleichzeitig? Versuchen Sie, sich diesen Moment der Bewusstwerdung zu bewahren und stellen Sie sich in Zukunft diese Frage BEVOR Sie wieder eine Information in facebook geben. Wie möchten Sie in Ihrer Rolle als Coach in facebook wahrgenommen werden? Als Verteiler von Witzbildern oder als Quelle inspirierender Weisheiten und spiritueller Einsichten? Kann das eine neben dem anderen stehen ohne dass ein ernsthafter Gap in meiner Selbstdarstellung entsteht? Wie authentisch kann ich auch noch in Jahren zu den Aussagen stehen, die ich heute postuliere? Decken sich die in facebook geteilten Aussagen Dritter mit den Aussagen, die ich in meiner offiziellen Webpräsenz im Bereich “Philosophie & Werte” über mich treffe? Hilft mir das im Beziehungsaufbau zu meinen Klienten?

In der sogenannten Customer-Journey, die durchaus über mehrere Touchpoints gehen kann, bevor sich ein Kunde entscheidet, eine konkrete Leistung bei Ihnen zu buchen, nehmen viele Interessenten noch mal die kurze Abzweigung über facebook, um für sich die Frage zu beantworten, ob sie sich mit der Person, bei der sie jetzt vielleicht eine Ausbildung oder ein Coaching machen werden, auch menschlich identifizieren können. Es wäre schade, wenn sie sich dort diese Frage mit nein beantworten.

Schritt 3 — Teilnehmen: Anteil nehmen und interagieren

Kommen wir vom reinen Teilen zum Teilnehmen — und damit zu echter Interaktion mit Anderen in facebook. Entgegen der Annahme vieler meiner Kunden stellen folgende Aktionen tatsächlich keine Interaktionen im Sinne von facebook dar:

  • Das Lesen eines Posts
  • Das Anschauen von Fotos
  • Das Klicken auf Fotos
  • Das Liken einer facebook Page

Vor allem der vierte Punkt wird oft anders dargestellt, aber es stimmt: Das Liken einer facebook Page gilt NICHT als Interaktion – anders als bei einem Post, hier zählt facebook den Klick auf den Like-Button tatsächlich als waschechte Interaktion, die dann entsprechend auch auf die positive Performance einer facebook Page angerechnet wird.

Neben dem Liken eines Posts, also die Auszeichnung mit „Gefällt mir“ definiert facebook Folgendes als echte Interaktionen:

  • Das Schreiben eines Kommentars, der sich auf einen Post bezieht
  • Das Teilen eines Posts mit anderen facebook-Usern
  • Das Klicken auf einen Link, der in einem Post enthalten ist

Auf eine bestimmte Art macht das auch Sinn, denn wir sprechen ja bewusst von “Social” Media, das beinhaltet auch das Kommentieren und Weiterverbreiten von Inhalten Anderer und nicht nur ein relatives Statement nach dem Motto “Daumen hoch”. Denn solange es noch keinen “Dislike-Button” gibt, sagt das nicht wirklich etwas darüber aus, wie ich mich zu einem Inhalt positioniere.

Um jetzt einen Schritt in Ihrer persönlichen Entwicklung weiterzukommen ist es wichtig, die nächste Hemmschwelle zu überwinden und echte Dialoge zuzulassen, also in die Echtzeit-Kommunikation mit einzusteigen. Am einfachsten geht das, indem Sie mal einen ersten ernsthaften Kommentar oder eine Frage zu einem Inhalt hinterlassen, den jemand aus Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis hinterlassen hat. Versuchen Sie mehr als ein “Sehe ich auch so”, versuchen Sie einen richtigen Dialog anzuzetteln! Bringen Sie Ihre Sicht als Coach mit ein oder steuern Sie eine ergänzende Information aus Ihrer Sicht als Berater bei. Nehmen Sie sich bewusst die Zeit, regelmäßig, optimalerweise täglich, in eine für Sie interessante facebook- oder auch eine XING-Gruppe hineinzuschauen und die Fragen anderer Mitglieder zu beantworten.

Was macht eine Gruppe in einem Social Media Kanal für mich interessant? Vor allem die Anwesenheit meiner Zielgruppe. Wenn ich als Berater im Bereich Organisationsentwicklung unterwegs bin, suche ich mir eine Gruppe von Entscheidern, wenn ich Formate für “Diversity” in Unternehmen platzieren möchte, klinke ich mich in ein HR-Forum ein, wenn ich eine Ausbildung zum systemischen Senior-Coach anbiete, unterhalte ich mich bevorzugt mit anderen Coaches. Ohne dass ich jetzt schon originäre eigene Inhalte präsentieren muss, kann ich mir einen Ruf als kompetenter Experte und hilfsbereiter Berater für meine Themen aufbauen. Wenn Sie zusätzlich freigiebig die Artikel von anderen Autoren teilen und damit deren Reichweite erhöhen, werden diese später viel offener sein, wenn Sie sie um das Gleiche bitten.

Beachten Sie dabei bitte, dass Ihre Meinung als Coach, der mit einer professionellen Homepage (die Sie über einen Webdienst wie Gravatar mit dem Profil verlinkt haben, welchen Sie zur Anmeldung und zum Kommentieren an andere Blogs nutzen) oder mit einer entsprechend wertigen facebook-Profilseite aufwarten kann, einen anderen Eindruck macht als die des befreundeten Fahrers bei UPS, wenn Sie einen Beitrag kommentieren. Ein zu harscher und kritisch formulierter Kommentar kann da ganz andere Wunden aufreißen, als Sie vielleicht in dem Moment beabsichtigen. Beachten Sie dabei immer die Netiquette und formulieren Sie Ihre Kommentare so höflich und wertschätzend wie möglich.

Wenn ich heute angetrunken, in eigenartiger Stimmung nach Hause komme, dann kann ich mit der ganzen Welt Kontakt aufnehmen. Und das ist nicht gut. Ich kann bei eBay einen Trecker ersteigern, langjährige Freundschaften mit einer E-Mail beenden oder Fotos von seltsamen Hautkrankheiten auf meine Homepage stellen und viele meiner Freunde irritiert das dann auch.

– Horst Evers, Komödiant –

Schritt 4 — Veröffentlichen: Erste eigene Beiträge veröffentlichen

Wenn Sie sich als Coach der Aufgabe verschrieben haben, Ihre Klienten in der Bewältigung ihrer ganz persönlichen Herausforderungen vorbehaltlos zu unterstützen, wenn Coaching für Sie passion & purpose ist — dann haben Sie bereits verstanden, dass Geben ohne Erwartungen der wichtigste Schlüssel ist, um begeisterte und treue Fans zu gewinnen. Sie teilen Ihr Wissen ohne Scheu und helfen Ihren Fans und Lesern damit, weiterzukommen. Ihre Fans lernen so Ihre Arbeitsweise kennen und sehen, dass Ihre Tipps zu Ergebnissen führen.

Gehen meine Kunden denn noch in meine Seminare oder buchen meine Workshops, wenn ich ihnen in meinem Blog oder auf facebook alle meine “Geheimnisse, Tricks & Kniffe” verrate? Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mich nicht hier und da auch solche Gedanken beschleichen. Doch was ist so geheimnisvoll an dem, was ich tue?

Kennen Sie jemanden in Ihrem persönlichen Umfeld, der sich schon mal erfolgreich selbst gecoacht hat? Ist die Qualität Ihrer Dienstleistung nicht vor allem geprägt durch Ihre Persönlichkeit, Ihre langjährige Erfahrung, Ihre Philosophie und Ihre Werte? Ich kann hier ein kostenloses Webinar zum Thema Social Media für Coaches veröffentlichen; jene, die sich das Thema gerne selbst erarbeiten möchten und/ oder nicht bereit sind, mich für die Beratungsleistung zu bezahlen, werden mich genauso wenig beauftragen, wie sie es auch ohne dieses Angebot getan hätten. Alle Anderen, die nicht die Bereitschaft oder die Zeit haben, sich da selbst hineinzufräsen und von meiner Erfahrung und meiner Expertise im persönlichen Kontakt profitieren wollen, werden das Angebot wertschätzend zur Erkenntnis nehmen und sich gerade deswegen für die Kontaktaufnahme mit mir entscheiden.

Seien Sie großzügig mit dem, was Sie in Ihren Blog, in Ihren Newsletter und in die verschiedenen Social Media Kanäle geben. Je mehr herausragend guten Content Sie produzieren und teilen, umso mehr potenzielle Klienten und Interessenten werden Sie anziehen. Fragen Sie sich immer, ob Sie Ihre Informationen von Herzen teilen und ohne eine kurzfristige Erwartung an Ihre Leser und Fans. Wenn Sie Ihre Inhalte an Bedingungen knüpfen, werden sich Ihre Leser getäuscht fühlen. Ihre kurzfristige Motivation sollte das Helfen sein. Dann werden Sie langfristig eine treue Fangemeinde aufbauen, die von Ihnen kauft und selber gerne mit Ihnen Informationen, Kontakte und vielleicht irgendwann sogar Projekte teilt.

 

Ich hab´s verstanden. Wie setze ich das jetzt um?

 

Der erste eigene Artikel ist immer der Schwerste. Ich kenne Personen, die seit Anbeginn von facebook dabei sind, liken und teilen, Bilder von ihrem Essen veröffentlichen, sich über die Verspätungen der deutschen Bahn beschweren und noch nicht einen originellen Beitrag beigesteuert haben.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Jeder Inhalt wird immer für eine Zielgruppe geschrieben. Als erstes sollten Sie daher immer die Zielgruppe klar definieren. Beim Veröffentlichen von Beiträgen selbst geht es dann darum, diese Person aus der Zielgruppe klar vor Augen zu haben – so klar, dass Sie sich in diese Person hineinversetzen und durch deren Brille schauen können. Was interessiert Ihre Leser wirklich? Weiterhin müssen Sie sich entscheiden, in welchem Kanal Sie den Beitrag veröffentlichen wollen. Posten Sie direkt auf facebook oder schreiben Sie einen Artikel für Ihren Blog und verteilen Ihn dann über facebook (XING, Google+ etc.)?

Ein schnelles Statement zu einem Fachbeitrag, dem Sie gerade auf einer Konferenz beigewohnt haben, geht zusammen mit einem Foto von der Konferenz direkt in facebook, der Erfahrungsbericht über die gesamte Konferenz mit einer persönlichen Betrachtung des Leitgedankens ist eher ein Artikel für den Blog und die Veröffentlichung am darauffolgenden Wochenende. Diese Veröffentlichung können Sie dann zum perfekten Anlass nehmen, alle Personen, die Sie auf der Konferenz kennengelernt haben, noch einmal anzuschreiben, um sie auf den Artikel und damit auch Ihren Blog hinzuweisen.

Egal ob Sie einen schnellen Beitrag in facebook entwerfen oder einen umfangreichen Artikel für Ihren Blog schreiben — das Wichtigste ist…

 

Die Überschrift

Eine Überschrift ist das Erste, was Ihre Leser zu Gesicht bekommen. Und da wir heutzutage mit einer Menge sinnfreier Inhalte bombardiert werden, muss Ihre Überschrift richtig etwas hermachen, um neben den anderen Inhalten bestehen zu können. David Ogilvy, den das Time-Magazin 1962 zu einem der führenden Köpfe der Werbewirtschaft kürte, sagte damals schon, dass 8 von 10 Leuten die Überschrift, aber nur 2 von diesen 10 den Rest lesen. Und das zu einer Zeit, als neben dem iPad nicht noch parallel der Fernseher lief…

Die Überschrift ist Ihr Leistungsversprechen an den Leser. Sie beinhaltet die Belohnung für das Lesen Ihres Artikels im Tausch gegen seine wertvolle Zeit. Alles ist viel einfacher, wenn Sie zuerst ein Versprechen geben und es danach erfüllen. Für Sie als Coach sollte das ein Leichtes sein. Jedes Mal, wenn Sie in ein Coaching mit einem Klienten einsteigen, geben Sie dieses inhärente Leistungsversprechen. Vielleicht geht es Ihrem Coachee nach der Session nicht besser, aber bewegt hat sich auf jeden Fall etwas ;-). Versuchen Sie genauso wie im Coaching ein Gefühl zu bekommen, welche Fragestellung im Zusammenhang mit dem von Ihnen gewählten Thema genau Ihre Leser bewegt. Wenn Sie die Frage gefunden haben, benutzen Sie diese als Überschrift.

Für meinen Artikel hätten es auch diese alternativen Überschriften getan:

  • Als Frage: Möchten Sie Ihr eigener Chief Social Media Officer werden?
  • Als Befehl: Werde Dein eigener Chief Social Media Officer!
  • Als Geschichte: Als ich loszog und mein eigener Chief Social Media Officer wurde
  • Als Geheimnis: Das Geheimnis, wie erfolgreiche Coaches Social Media nutzen
  • Als Weg: Der beste Weg, facebook als Coach zu nutzen

Die Recherche

Nachdem Sie die Überschrift und damit das Leistungsversprechen festgelegt haben, ist bei größeren Artikeln jetzt die Zeit für umfangreiche Recherche gekommen. Ich persönlich empfinde das als den befriedigendsten Teil meiner Arbeit als Autor, da ich mir guten Gewissens mit einem klaren Ziel vor Augen die Zeit nehmen kann, mein eigenes Wissen zu erweitern. Selbst wenn Sie der festen Überzeugung sind, schon Experte in einem Thema zu sein, sollten Sie wenigstens prüfen, ob es zu der von Ihnen behandelten Fragestellung nicht schon zehn andere Artikel gibt, denn die Welt braucht keinen elften. Um es mal am Beispiel dieses Artikels zu verdeutlichen: Zum Thema Social Media gibt es bereits Artikel wie Sand am Meer. In deutscher Sprache und aus der Perspektive eines Coaches wird es da schon sehr übersichtlich. Und das noch mit der zusätzlichen integralen Perspektive versehen — da habe ich dann trotz intensiver Recherche nichts mehr gefunden.

Das Brainstorming

Sie kennen das Ziel und haben sich in der Recherche eine umfangreiche Materialsammlung zugelegt. Dann fangen Sie an, Ideen zu sammeln; für die Einleitung, für die Struktur, für den Schluss, für eigene Beispiele, Metaphern, Info-Grafiken, eben alles, was Ihnen dazu einfällt. Bringen Sie in diesem Schritt ohne Rücksicht auf Rechtschreibung oder Grammatik Ihre Ideen zu Papier. Ich persönlich nutze dazu Microsoft PowerPoint™. Ich lege zu jedem Aspekt, der mir wichtig erscheint, eine leere Folie an und werfe dann in diese Folie alle Bilder, Textschnipsel und Links, die ich zu diesem Aspekt finde. Alternativ können Sie ein Mindmapping-Programm nutzen oder WriteMonkey, wenn Sie eher der lineare Typ sind. Hauptsache, Sie können damit ablenkungsfrei arbeiten und Ihrem Kopf freien Lauf lassen!

Die Struktur

Nachdem Sie alles in Ihrem Kopf zu Papier gebracht haben, erstellen Sie sich eine Struktur aus Unter-Überschriften. Dazu nehme ich meine Folien in PowerPoint, beschreibe jeden Aspekt in seiner kürzesten Form, wobei ich wieder versuche, auch die Unter-Überschriften so interessant wie möglich zu formulieren, und bringe die Folien dann in eine logische Reihenfolge, so dass sich das Thema im Optimalfall entlang einer Story, aufeinander aufbauenden Erkenntnissen oder einer Drop-Down- oder Bottom-Up-Argumentation aufbaut.

Die Lücken füllen

Der Rest ist jetzt ganz einfach. Nachdem Sie sich praktisch Ihr eigenes Formular gebaut haben, kopieren bzw. transkribieren Sie jetzt die Inhalte aus Ihrem Brainstorming in die Textbereiche Ihres Content-Management-Systems. Ich übertrage dafür die Überschriften mit ein bisschen Lorem-Ipsum-Text darunter in voneinander unabhängige Textboxen in mein WordPress und schreibe dann die Texte von oben nach unten runter. Der Platzhaltertext gibt mir ein Gefühl für das Gesamtvolumen und den Bedarf an Grafiken zum Auflockern des Ganzen. Auch jetzt nehme ich noch keine Rücksicht auf Rechtschreibung oder Grammatik. Wenn sich die Texte dann im Zusammenhang vor mir aufbauen, habe ich meistens schon die ersten Ideen für Bilder oder verständnisfördernde Info-Grafiken. Ich nutze dann Platzhalter für die Bilder, die ich kurz mit der Aussage beschrifte, die das Bild unterstützen/ erklären soll.

Der Feinschliff

Nachdem Sie den Erstentwurf erstellt haben, breitet sich der Artikel vor Ihnen aus wie die innere Landkarte eines Ihrer Coachees. Lesen Sie sich Ihren Artikel jetzt laut vor und fragen Sie sich:

  • Was fehlt noch?
  • Was können Sie noch verbessern?
  • Was ist überflüssig?
  • Machen die Abschnitte alle Sinn?
  • Wo hakt es noch vom Verständnis oder im Übergang vom einen Abschnitt zum nächsten?
  • Ist meine Grammatik korrekt?

Wenn es Ihnen hilft, können Sie den Artikel einem Teddybären oder noch besser dem Persona-Sheet Ihres avisierten Lesers vorlesen — Hauptsache, Sie tun es laut.
Denken Sie auch immer daran, dass Bloggen wie das freie Sprechen mit einem Coachee ist, der genau vor Ihnen sitzt. Schreiben Sie deshalb stets nur direkt an eine Person. Benutzen Sie auch Wörter wie Sie, ich, Ihre und mein. Einer meiner häufigsten Fehler ist der Wechsel der Perspektive von “ich” zu “Sie” über “man” im selben Satz.

Stellen Sie wie im Coaching Fragen — und beantworten Sie die meisten dann selbst ;-). So schreiben Sie einfach lebendiger und regen die Leser dazu an, Kommentare zu hinterlassen. Versuchen Sie stets, eine lebendige Unterhaltung zu führen. Seien Sie wertschätzend, locker, persönlich und, wenn Ihnen danach ist, auch einmal schnoddrig!

Die Bilder & Grafiken einfügen

Bilder & Grafiken lockern den Text auf und können an vielen Stellen sehr zum Verständnis beitragen. Auf der Suche nach Artikelbildern können Sie Flickr, Compfight, sxc.hu oder Unsplash durchforsten. Suchen Sie nach Bildern unter der Creative Commons Lizenzierung und achten Sie auf die genauen Lizenzbedingungen.

Sie sind es als Coach normalerweise gewohnt, komplexe innere Zustände zu visualisieren. Machen Sie eine Zeichnung auf dem Flipchart oder eine Aufstellung auf Ihrem Systembrett, fotografieren Sie diese ab und fügen Sie das Bild direkt in den Beitrag ein. Wahlweise geben Sie das Foto oder den Scan der Skizze einem Grafiker, der Ihnen das Ganze schnell vektorisiert; solche Dienstleistungen werden inzwischen für übersichtliche Beträge im Internet angeboten.

Und zuletzt: vergessen Sie nicht, vor dem Hochladen die Bilder in der Größe passend zuzuschneiden, über TinyPNG zu komprimieren und Ihren Artikelbildern Ihre Key-Wörter als Namen und als Alt-Attribut mitzugeben.

Die Rechtschreibung kontrollieren und den Text formatieren

Ich nutze für eine erste maschinelle Kontrolle der Rechtschreibung meistens Microsoft Word™. Danach gebe ich meinen Artikel einer Person meines Vertrauens, denn nach dem vierten oder fünften Durchlesen sehe ich sowieso keine Fehler mehr. Im selben Zuge gehe ich noch einmal alle Überschriften durch und setze bei Bedarf Text in fett oder kursiv. Wenn möglich versuche ich, Absätze so einzufügen, dass Sie den inhaltlichen Zusammenhang von Textabschnitten widerspiegeln. Ein Absatz sollte immer nur eine Idee oder Kernaussage enthalten.

Der letzte Handschlag im CMS

Jetzt sind Sie gleich soweit! Es fehlt nur noch ein wenig Technik, dann ist Ihr Artikel bereit zur Veröffentlichung! An diesen Stellen müssen Sie in Ihrem Content-Management-System noch Hand anlegen:

  • Setzen Sie die ausgehenden Links und kontrollieren Sie deren Funktionalität.
  • Schreiben Sie einen aussagekräftigen Auszug (Excerpt) für Ihren Beitrag
  • Wählen Sie eine oder mehrere passende Kategorien für Ihren Artikel.
  • Prüfen Sie die Autor-Einstellungen
  • Schauen Sie ein letztes Mal nach den Bildern und auf die Ladezeit des Artikels

Den Artikel veröffentlichen

Letzte Qualitätssicherung: Auch ich muss mich am Ende dieses Artikels noch einmal an die eigene Nase fassen und fragen, ob ich das ursprünglich gegebene Versprechen (die Darstellung der 5 Schritte zum erfolgreichen Social Media Marketing für Coaches) auch nach bestem Wissen und Gewissen eingelöst habe. Habe ich bei einem so umfangreichen Thema alle essentiellen Aspekte adressiert? War ich so konkret wie möglich, so dass sich meine Kunden nach dem Durcharbeiten des Artikels befähigt fühlen, diese Schritte nachzuvollziehen? Habe ich es geschafft, die einzigartige Perspektive eines Coaches einzufangen? Ist der Artikel unterhaltsam geschrieben?

Und in der B-Note: Ist die Rechtschreibung in Ordnung? Habe ich den Artikel ansprechend formatiert und mit aussagekräftigen Grafiken und ansprechenden Bildern versehen?

Wenn JA: Genießen Sie den Moment, in dem Sie den Artikel veröffentlichen und in die verschiedene Social Media Kanäle pushen! Jetzt kann er gelesen, kommentiert und geteilt werden und Sie haben einen ernsthaften Beitrag und hoffentlich auch Mehrwert in die Welt gebracht!

Schritt 5 — Netzwerken: Eine Community aufbauen

Nutzen wir doch an dieser Stelle mal wieder die berühmt-berüchtigte „Wunderfrage“ aus dem systemischen Kontext: „Stellen Sie sich vor, Sie kommen heute nach Hause, schreiben noch ein bisschen an Ihrem aktuellen Blogartikel, gehen irgendwann ins Bett und schlafen schließlich ein. Und während Sie schlafen, passiert ein Wunder, eine gute „Fee“ erscheint und macht, dass Sie morgens genau die Community auf facebook erwartet, die Sie sich schon immer gewünscht haben.

Wie würden Sie das am nächsten Tag merken? Was wäre anders als sonst?“

Sind Sie plötzlich auf allen Social Media Kanälen gleichzeitig präsent? Haben Sie ohne Zutun 1.000 Followers mehr als gestern? Gefallen und inspirieren Ihre Beiträge gleichmäßig alle Leser? Keine kritischen Teilnehmer mehr? Schaffen Sie alles inklusive der Erstellung des Contents und 24/7 Moderation der Community alleine?

Hört sich grundsätzlich alles ganz nett an – aber warum machen wir das hier eigentlich?

Der Gegenwert für Ihre investierte Zeit misst sich nicht in der Anzahl der Followers oder der absoluten Größe Ihrer Community, sondern in der Zahl der qualitativ hochwertigen und langfristigen Beziehungen, die Sie darüber aufgebaut haben. Dieses Netzwerk versorgt Sie optimalerweise kontinuierlich mit frischen Kontakten und neuen Aufträgen. Parallel dazu schärft und festigt sich Ihr Ruf als kompetenter Experte und gerne gesehener Ansprechpartner für Ihre Themen. Ihre Dienstleistungen und Formate verkaufen sich mehr oder weniger von selbst, die Zeiten der zeit- und energieintensiven Akquise sind vorbei!

Das bedeutet, Ihre Anstrengungen auf facebook müssen mittel- und langfristig immer darauf abzielen, die richtigen Adressaten aus Ihren relevanten Zielgruppen zu erreichen. 20 Personen, die über facebook regelmäßig mit Ihnen kommunizieren, sich lautstark über Ihre Artikel freuen und Ihnen im Gegenzug gerne Empfehlungen „in der richtigen Welt“ aussprechen, sind mehr wert als 250 „Likes“ ohne eine messbare Interaktion (siehe oben).

Das bedeutet aber auch, Sie müssen sich die einzelnen Social Media Plattformen genau ansehen und sich auf eine oder maximal zwei konzentrieren. Statt in der Content-Produktion in die Breite zu gehen, gehen Sie lieber in die Tiefe. Leser, die bei Ihnen vorbeikommen, um sich lustige Anekdoten anzuhören oder Katzenbilder runterzuladen, buchen keine Workshops bei Ihnen! Anstatt immer und überall gleichzeitig online zu sein und ziellos zwischen Benachrichtigungen hin- und herzuspringen, schaffen Sie sich eine Struktur aus Powerblöcken und Zeiten für intensiven Austausch. Und dann konzentrieren Sie sich auf diesen Austausch, interagieren mit dem jeweiligen Netzwerk entsprechend und geben fokussierten Input in diese Community.

Parallel dazu daran arbeiten Sie daran, Ihre Person in eine Marke zu verwandeln. Wenn Ihre Community untrennbar mit Ihrem Namen verbunden ist, haben Sie Ihre Persönlichkeit soweit in Ihr Unternehmen eingebracht, dass Sie damit eine unverwechselbare Positionierung erreicht haben. Das ist aus zwei Gründen sehr clever:
1. Persönlichkeit kann von Wettbewerbern nicht kopiert werden.
2. Kommunikation im Allgemeinen und natürlich auch in den Social Media Kanälen erfolgt immer zwischen Menschen. Uns fällt es einfach leichter, uns mit einer Person zu identifizieren als mit einem Unternehmen.

Also: Stehen Sie zu Ihrer Position! Polarisieren Sie! Sie können es nicht immer Allen recht machen. Und dann lassen Sie es einfach gut sein, wenn es nichts mehr zu gewinnen gibt. Sobald Ihre Auslastung kontinuierlich bei 130% liegt, und Ihre Kunden drei Monate Wartezeit in Kauf nehmen, um sich von Ihnen coachen zu lassen, brauchen Sie nicht weiter an der Schraube zu drehen. Möglicherweise kommen Sie auch niemals wirklich zu Schritt Fünf, der auch bedeuten würde, dass Sie ständig einen nicht unerheblichen Anteil Ihrer Zeit in das Thema Social Media und Community investieren. Das funktioniert irgendwann nur noch in der Gruppe gut, wenn Sie als Teilzeit- oder Vollzeit-CSMO von den Anderen mitgetragen werden. Um hier nicht in die Falle zu tappen, eine Community nur des Selbstzwecks halber zu betreiben, erstellen Sie sich ein Zeitbudget, und wägen Sie regelmäßig das Ergebnis Ihres Engagements im Kanal Social Media gegen Ihren zeitlichen Invest ab:

Das Zeitbudget

CSMO´s sind regelmäßig, eigentlich täglich präsent auf facebook (oder Google+ oder einem anderen präferierten Kanal) und in Kontakt mit ihrem Netzwerk. Ihre Fans verlassen sich darauf, dass Blog-Beiträge und Newsletter regelmäßig erscheinen. Ich empfehle sogar, sich feste Tage zu setzen, an denen Sie Ihre facebook-Followers mit neuen Inhalten versorgen.

Allerdings benötigt das auch Zeit, und zwar nicht zu knapp: Unten stehend finden Sie eine Auflistung, auf welcher Ausbaustufe Sie ca. wie viel zeitlichen Aufwand einplanen müssen, um den Kanal Social Media in angemessener Weise zu bedienen. Wenn Sie, wie viele meiner Kunden, als Einzelkämpfer unterwegs sind, werden Sie feststellen, dass Ihnen hier in der maximalen Ausbaustufe nicht mehr viel Zeit für andere Vertriebsaktivitäten/-kanäle bleibt.

Zuhören

Kein Engagement
15 Minuten/Tag

Teilen

Teilen & Liken
30 Minuten/Tag

Teilnehmen

Kommentieren
1 Stunde/Tag

Veröffentlichen

Selbst Posten
4-6 Std./Woche

Netzwerken

Community pflegen
6-12 Std./Woche

Lohnt sich der Aufwand?

Für alle Coaches und Berater, die ein spannendes Portfolio haben, aber nicht zu den Schwergewichten der Branche (wie z.B. eine Heiligenfeld-Akademie) gehören, ist Social Media, vor allem facebook, eine großartige Möglichkeit, auf sich und ihre Expertise aufmerksam zu machen. Sie können sich budgetfreundlich und unabhängig von Medien und beratenden Agenturen als Coach positionieren und Ihre Außenwahrnehmung entlang Ihrer persönlichen Entwicklung auch immer wieder neu modellieren. Unbesehen von zufälligen und nicht nachhaltigen Impulskäufen Ihrer Bücher oder Buchungen Ihrer Seminaren, die Sie auf facebook posten, ist der Social Media Kanal aber nicht für den kurzfristigen Vertrieb geeignet. Im Gegenteil: Allzu aufdringliche Werbung für Ihre Dienstleistungen schreckt die Nutzer eher ab und sorgt für schwindende Besucherzahlen.

Am Ende des Tages (und der hat nur 24 Stunden) müssen Sie gewissenhaft entscheiden, in welche Vertriebstätigkeiten Sie Ihre Zeit investieren. Der dafür notwendige Aufwand ist wie oben dargestellt nicht unerheblich, aber planbar. Alles was Sie in den einen Kanal geben, fehlt Ihnen im anderen, also entscheiden Sie weise. Eine gute Grundlage ist hier, dass Sie Social Media nicht nach Lust und Laune (die Sie als Digital Immigrants wahrscheinlich sowieso nie haben werden) oder zufällig freier Zeit (haben Sie auch nicht) betreiben, sondern wie Ihre sonstigen Engagements auch planen und dann “abarbeiten”. Erstellen Sie sich dafür einen Redaktionsplan.

Mit einem Redaktionsplan arbeiten

Definition: Der Redaktionsplan beinhaltet die zeitliche Abfolge der Erstellung von Inhalten (Content Creation) sowie die Verteilung in die verschiedenen Kanäle (Content Curation ) als taktische Maßnahmen für Cross- und Upselling mit passgenauen Angeboten für jedes Zielgruppensegment.

Mit einem Redaktionsplan organisiere ich für mich und für meine Kunden die Content-Produktion für den Blog, die E-Mail-Newsletter und Social-Media-Kanäle wie facebook. Der Redaktionsplan sollte mindestens für den kommenden Monat im Voraus detaillierte Informationen zu Beiträgen mit den zu behandelnden Fragestellungen und erster Informationssammlung beinhalten, für die nächsten zwei Monate erste Ideen mit Terminen und für das restliche Jahr Merker für wichtige Daten.

Wir unterscheiden dabei:

Die Regelkommunikation:
Monatlich/wöchentlich, zeitgleich für alle, aber mit individuellen Themen je nach Zielgruppe.

Die Eventkommunikation:
Saisonale Tipps –Neukundenaktionen, Besprechungen und Kommentare zu aktuellen Ereignissen.

Die Triggerkommunikation:
Aktionsbezogene und individuelle Kommunikation wie Early-Bird-Aktionen und Kundenbefragung.

Wie mache ich das jetzt genau?

 

Setzen Sie sich als Allererstes für das ganze Jahr die Quartalstermine für die Bearbeitung Ihres Redaktionsplanes. Der Redaktionsplan kann eine Excel-Tabelle sein oder ein großer Jahreskalender, der bei Ihnen zu Hause/ im Büro an der Wand hängt. Ich empfehle Zweiteres, weil Sie damit den besseren Überblick haben.

Tragen Sie die Beiträge für die Eventkommunikation gleich für das ganze Jahr ein. Hier geben Sie alle Termine ein, die für Sie oder für Ihre Kunden wichtig sein könnten. So vergessen Sie nie, über wichtige Anlässe zu berichten oder diese zum Anreiz zu nehmen, einen eigenen Gedanken dazu als Beitrag zu posten. Und Sie bekommen Anregungen für Blog-Artikel oder Newsletter mit einem aktuellen Bezug auf einen Feiertag oder eine Konferenz.

Tragen Sie sich danach die Termine für absehbare Anlässe zur Triggerkommunikation ein: Neue Angebote und von Ihnen entwickelte Formate, geplante Aktionen, Kooperationen und Veranstaltungen, der Abschluss eines großen Beratungsauftrages mit einem Kunden oder die anstehende Geburt Ihres Kindes können dazu dienen, das Ganze aus Ihrer systemischen/ integralen/ psychotherapeutischen/ spirituellen Sicht spontan zu beleuchten. Während Sie in der Eventkommunikation auf ein im Vornhinein festgelegtes und von Ihnen meistens nicht beeinflussbares Ereignis eingehen (Weihnachten), können Trigger mannigfaltig sein und haben das Potential, die Kundenbindung nachhaltig zu beeinflussen und zu stärken. Es handelt sich dabei normalerweise um einzigartige und anteilig auch vom Kunden oder aus dem Netzwerk gelieferte Ereignisse mit relativ geringem Vorlauf und noch kürzerer Halbwertzeit. Wenn Sie also hier nicht die Gelegenheit beim Schopf greifen, ist es auch schon wieder vorbei.

Als letzten Schritt füllen Sie die verbleibenden Lücken in dem entstandenen Flickenteppich mit Beiträgen zur Regelkommunikation auf. Hier kann es sich um Grundlagenartikel oder Artikelserien handeln, die sich z.B. mit dem Coachingprozess im Allgemeinen, Ihre Coaching-Sicht auf grundsätzliche gesellschaftliche Fragestellungen etc. beschäftigen. Hier versuche ich im Vorfeld schon, Zeitfenster zu identifizieren, in denen ich solche Beiträge “auf Halde” schreiben kann, die ich dann mit Timer-Funktion in meinem WordPress-Blog veröffentliche. Besonders die Sommerferienzeit, die für viele meiner Coaches auch eine “Saure-Gurken-Zeit” ist, da sich viele Kunden im Urlaub befinden, bietet sich dafür an. Für die Content-Sammlung zu solchen Universalbeiträgen habe ich verschiedene Blogs abonniert und recherchiere regelmäßig in Fachliteratur, um mich inspirieren zu lassen. Wenn ich über ein interessantes Thema oder eine interessante Fragestellung stolpere, setze ich mir ein Lesezeichen in einen speziellen Ordner meiner Leseliste oder packe einen Zeitungsausschnitt in eine dafür reservierte Ablage auf meinem Schreibtisch.

Optimalerweise habe ich dann immer für die kommenden Monate eine Sammlung von fertigen Beträgen und eine Schublade voll mit Ideen für Beiträge mit jeweils einem Thema, einer zugehörigen Fragestellung, meiner persönlichen Sicht und einer zentralen Erkenntnis bzw. einem Benefit für meine Leser/ Followers.

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Beispiel für Redaktionsplan

Gastbeiträge einplanen

Obwohl von Seiten Googles das Thema immer wieder regelmäßig kritisch kommentiert wird, ist eine immer noch legitime und funktionierende Maßnahme für die Erhöhung der Reichweite und das Linkbuilding die Platzierung von Gastbeiträgen. Das bedeutet, entweder Sie veröffentlichen einen Beitrag auf dem Blog eines Anderen (bringt Ihnen einen Backlink auf Ihre Webseite) oder jemand schreibt Ihnen einen Beitrag für Ihre Seite (bringt Ihnen kostenlosen Content). Regelmäßige Gastartikel in Blogs, die von Angehörigen Ihrer Nische oder an dieser Interessierten gelesen werden, helfen Ihnen immens dabei, Ihre Bekanntheit aufzubauen.

Ich plane daher in meinem Redaktionsplan regelmäßig solche Gastartikel ein und spreche immer wieder aktiv Kollegen, aber auch Kunden aus meinem Netzwerk darauf an. Zum Glück ist im Bereich Coaching der Teich noch groß und die Anzahl der Fische vielfältig. Hier herrscht bei weitem nicht der harte Konkurrenzkampf, den ich in Branchen beobachte, in denen die Dienstleistung absolut vergleichbar und die Zielgruppe homogen ist. Selbst wenn ich mit einem anderen integralen Coach im selben Ort meine Praxis betreibe, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass wir uns als Persönlichkeit und von den Ansätzen her so ähnlich sind, dass ein und derselbe Kunde Schwierigkeiten hätte, sich zwischen uns zu entscheiden. Da reicht es bei gleichem Geschlecht und vergleichbarem Hintergrund schon, wenn der andere 15 Jahre älter ist. Sprich, wenn ein Kunde mich ganz toll findet, wird er sich wahrscheinlich mit meinem Kollegen schwer tun und anders herum.

Da bietet es sich an, hier gemeinsame Sache zu machen und sich gegenseitig zu befruchten. Das kann von einem regelmäßigen Austausch über Gastartikel und gemeinsame Veröffentlichungen bis hin zum Betreiben einer gemeinsamen Plattform gehen, von der aus die verschiedenen Autoren auf ihre jeweiligen Präsenzen verweisen und vice versa ihre Beiträge und die der Anderen in der eigenen facebook-Timeline veröffentlichen. Vier Coaches als Autoren zum Thema systemisches Coaching produzieren halt viermal soviel Content wie einer alleine, oder jeder Einzelne muss halt nur einmal im Monat ran, wenn ich eine Regelkommunikation von einmal pro Woche anstrebe ;-).

Regeln für Gastbeiträge:

Bevor ich den Gastbeitrag in Angriff nehme, einige ich ich mich mit meinem Co-Autor darüber, wer schlussendlich die Inhalte in welchen Kanälen veröffentlichen darf. Um hinterher den von Google kritisch betrachteten sogenannten Duplicate Content zu vermeiden, darf der Artikel nur exklusiv in einem Blog veröffentlicht werden, also auf meiner oder seiner/ihrer Seite, beides geht nicht. In die verschiedenen Social-Media-Kanäle wie facebook oder XING können wir ihn natürlich beide pushen, je mehr Links oder Likes, desto besser.

Obwohl ich mich natürlich über jedes Angebot für einen Gastbeitrag freue, achte ich bei der Erstellung der Artikel sehr auf die Qualität. Ich selbst schreibe teilweise wochenlang an meinen Artikeln und investiere bis zu 50,- Euro in das begleitende Bildmaterial. Wenn ich die Wahrnehmung habe, dass der Andere seinen Beitrag mal eben am Wochenende zwischen Tür und Angel zusammengestanzt hat, nehme ich mir die Freiheit, diesen entweder abzulehnen oder zu überarbeiten. Und selbstverständlich muss der Beitrag ein Thema behandeln, das zu meiner Seite, den Rubriken und meinem Publikum passt. Da wird es bei einer Seite, die sich mit Marketing für Coaches beschäftigt, schon relativ schnell ganz schön eng.

Der Artikel braucht dann nur noch eine klare Kernbotschaft, neue hilfreiche Erkenntnisse oder eine originelle Sicht für ein Thema zu bieten, das viele Leser interessiert – und das bei mir so noch nicht vorkam. Der Beitrag sollte also relevant, interessant, nützlich, gut geschrieben, klar strukturiert, nachvollziehbar, unterhaltsam und inspirierend sein. Also alles kein Problem für einen gut ausgebildeten Coach, der sein Geld im Schwerpunkt mit Kommunikation verdient, oder? 😉

Fazit:

Wenn Sie sich dem Thema Social Media mit der notwendigen Achtsamkeit, aber ohne den Angst-induzierten übertriebenen Respekt oder der aus Vorurteilen gewachsenen Abscheu des Zurückgelassenen nähern, können sich hier für Sie neue Welten eröffnen. Ein Kanal wie facebook kann Ihnen aus der integralen Sicht die ganze Bandbreite von Möglichkeiten bieten, sich mit jedem Mem Ihrer Persönlichkeit zu verbinden und in Resonanz mit sich und Ihrem Netzwerk zu gehen. Gehen Sie einen Schritt nach dem Anderen und hören Sie regelmäßig in sich hinein, ob sich jede Ihrer Handlungen, geboren aus Ihren Intentionen, für Sie stimmig und authentisch anfühlt. Wenn Sie merken, dass Sie aus dem Gleichgewicht geraten, halten Sie inne und suchen Sie sich einen Bezugspunkt am Horizont oder gehen Sie in den Dialog mit einem Vertrauten oder — mir!

Das ganze Internet ist ein Produkt der Co-Creation, ich freue mich über jede Anfrage und jeden Kommentar 🙂

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